Konzernumbau
Kompromiss ohne Verlierer bei Thyssen

Gibt es ein Lebenselixier, so muss es für Berthold Beitz das Unternehmen Thyssen-Krupp sein. Inmitten der größten Krise des im Jahr 1999 fusionierten Industriekonzerns hat sich der 95-jährige Chef der mächtigen Krupp-Stiftung aktiv in die Geschäft eingeschaltet.

DÜSSELDORF. Grund ist das tiefe Zerwürfnis zwischen Konzernführung und Betriebsräten, das die geplante Verschlankung des größten deutschen Stahlproduzenten zu blockieren drohte. Bei der Lösung des Konflikts habe Beitz eine entscheidende Rolle gespielt, sagte Vorstandschef Ekkehard Schulz gestern in Düsseldorf. "Als einer der Gründungsväter von Thyssen-Krupp hat er die Initiative ergriffen und beide Seiten dazu gebracht, sich in konstruktiver Weise aufeinander zuzubewegen."

Herausgekommen ist ein Kompromiss, der einen Verzicht von betriebsbedingten Kündigungen sowie einen weitgehenden Erhalt der Mitbestimmung der Arbeitnehmer vorsieht. Im Gegenzug billigten die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat den Konzernumbau, von dem sich Schulz jährliche Einsparungen in Höhe von 500 Mio. Euro verspricht. Die Struktur sieht eine Bündelung der fünf Sparten Stahl, Edelstahl, Aufzüge, Technologies und Dienstleistungen in zwei Divisionen. "Das ist der einschneidendste Umbau seit der Fusion", sagte Schulz.

Nach dem Umbau, der mit Beginn des kommenden Geschäftsjahres 2009/2010 am 1. September in Kraft treten soll, wird der Konzern künftig zentral von der Holding gesteuert. Schulz sprach davon, dass es bei dem Kompromiss keine Verlierer gebe. Wichtig sei nun, dass alle an einem Strick zögen. "Die massiven Proteste und die vielfältigen konzernweiten Aktionen der Thyssen-Krupp Belegschaften haben den Vorstand letztendlich davon überzeugt, dass ein Konzernumbau gegen die Beschäftigten chancenlos ist", sagte Betriebsratschef Thomas Schlenz. Die Intervention von Beitz bezeichnete er als "maßgeblich" für die Einigung.

In den vergangenen Monaten hatte sich der Konflikt zwischen Konzernführung und Betriebsräten zugespitzt, mehrfach gingen Tausende Thyssen-Krupp-Beschäftigte auf die Straße. Sie fühlten sich von Schulz hintergangen, da er im März wenige Stunden nach einer Vereinbarung nichts mehr von einem Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen wissen wollte. Die Arbeitnehmer warfen ihm Wortbruch vor, was den Industriekapitän sichtlich ärgerte.

Der Druck auf Schulz war groß, denn Beitz wie auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme drängten auf eine rasche Neugliederung. Das Management hatte aus ihrer Sicht, so heißt es in deren Umfeld, zu langsam auf die Krise reagiert. Während das Ergebnis wegschmolz, türmten sich in Amerika neue Belastungen auf.

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