Konzernumbau

Löscher krempelt Siemens um

Manche Analysten haben Siemens-Chef Peter Löscher bereits angezählt. Nun vertröstet er auch noch die Investoren. Doch gleichzeitig baut er den Konzern mit Hochdruck um - unter anderem mit einem Zukauf im Zuggeschäft.
Update: 28.11.2012 - 22:27 Uhr 9 Kommentare
Siemens sucht einen Käufer für das Geschäft mit Systemen zur Gepäckabfertigung, Brief- und Paketsortierung. Quelle: AFP

Siemens sucht einen Käufer für das Geschäft mit Systemen zur Gepäckabfertigung, Brief- und Paketsortierung.

(Foto: AFP)

MünchenSiemens-Chef Peter Löscher vertröstet die Investoren auf das nächste Geschäftsjahr. "Auf der Grundlage der Marktentwicklung für unsere Geschäfte erwarten wir, dass der Umsatz im Fiskaljahr 2013/14 zu moderatem Wachstum zurückkehrt", heißt es in einem Bericht an die US-Börsenaufsicht vom Mittwoch. "Wir rechnen damit, dass sich das Ergebnis aus fortgeführtem Geschäft sehr viel besser entwickelt als im laufenden Geschäftsjahr, von signifikanten Portfolio-Effekten abgesehen."

Nach den zahlreichen anstehenden Teilverkäufen tun sich die Münchner allerdings immer schwerer, sich als "grüner Infrastrukturriese" zu verkaufen. "Wegen der geplanten Trennung von der Solarsparte, dem Wassergeschäft und Osram wird es sehr viel schwerer das Ziel zu erreichen, mehr als 40 Milliarden Euro Umsatz im Umweltportfolio zu machen", räumte der Konzern ein.

Der Gewinnknick im abgelaufenen Geschäftsjahr schlägt sich auch auf Löschers Konto nieder. Seine Gesamtvergütung schrumpfte um knapp eine Million auf 7,87 Millionen Euro, wie aus dem Bericht hervorgeht. Finanzchef Joe Kaeser strich indes mit knapp 4,4 Millionen Euro knapp eine halbe Million mehr ein. Insgesamt ließ sich Siemens seinen Vorstand mit 39,6 Millionen Euro praktisch genauso viel kosten wie im Vorjahr.

Löscher versucht sich derzeit an einer großen Aufräumaktion und drückt beim Konzernumbau aufs Tempo. Nach wachsender Kritik krempelt der Manager nun zügig das Portfolio seines Hauses um und räumte mit dem Segen des Aufsichtsrats noch einige Altlasten ab. Am Mittwochabend verkündete das Unternehmen den Kauf der Bahntechniksparte des britischen Technologiekonzerns Invensys, um sein krisengeschütteltes Zuggeschäft zu stärken. Dafür will Löscher 2,2 Milliarden Euro springen lassen.

Zugleich setzt der Vorstandschef den Ausverkauf von ungeliebten Bereichen fort. Nach dem Solargeschäft und der Wassertechnik will sich der Österreicher nun auch von dem Sortiermaschinen-Segment trennen. Außerdem segnete der Aufsichtsrat die Pläne für die Abspaltung der Leuchtmitteltochter Osram ab, deren Aktien im Frühjahr zu vier Fünfteln an die Aktionäre verschenkt werden sollen.

Abgesehen von Osram seien die anstehenden Transaktionen Teil des Sanierungsplans, mit dem Siemens bis 2014 rund sechs Milliarden Euro sparen und die operative Rendite auf zwölf Prozent trimmen will. Neben Einsparungen im Einkauf und Personaleinschnitten hatte Löscher bereits angekündigt, auch wenig profitable Geschäftsfelder abzustoßen und das verbleibende Kerngeschäft mit Zukäufen zu erweitern.

Mit dem Kauf der Invensys-Sparte baue Siemens seine Präsenz im globalen Wachstumsmarkt für Bahnautomatisierung aus, erklärte Roland Busch, Chef des Sektors Infrastruktur & Städte. Der begehrte Bereich der Briten machte zuletzt einen Jahresumsatz von 800 Millionen Pfund mit Signal- und Leittechnik für den Schienenverkehr. Die Aktionäre der Briten, die Gläubiger und die Regulierungsbehörden müssen noch zustimmen. Die Invensys-Aktie legte gegen Handelsschluss um gut 27 Prozent zu.

Das Geschäft mit Sortieranlagen für Gepäck an Flughäfen und Poststücke will Busch indes nicht mehr haben. Von der anstehenden Trennung sind 3600 Mitarbeiter betroffen, die zuletzt zum Konzernumsatz 900 Millionen Euro beitrugen. Die Rendite im mittleren einstelligen Bereich genügt allerdings den neuen Siemens-Ansprüchen allerdings nicht mehr. Wegen des hohen Mechanikanteils gebe es nur wenig Synergien mit anderen Siemens-Divisionen. „Es ist ein hoch spezialisiertes Nischengeschäft, in dem vornehmlich mittelständische Unternehmen tätig sind“, hieß es.

Bahn und Siemens: Unnötiges "Schwarze Peter" Spiel

Vorstandschef Löscher war in den vergangenen Monaten wegen sinkender Margen und mehrerer missratener Projekte unter Druck geraten, zuletzt wegen der verzögerten Auslieferung von ICE-Zügen an die Deutsche Bahn. Einzelne Analysten zählten ihn bereits an.

Schlussstrich unter zwei Personalthemen gezogen
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9 Kommentare zu "Konzernumbau: Löscher krempelt Siemens um"

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  • Herr Löscher und sein Steigbügelhalter "Compliance"-Crom-
    me sind auf dem besten Weg, einen erfolgreichen Technik-
    und Industriekonzern zu ruinieren. Beide verkörpern in op-
    timaler Weise die von dem Beraterunwesen erzeugten Mana-
    gertypen: aalglatt, mit Anglizismen um sich werfend,Volks-
    wirtschaftsweisheiten des 1. Semesters absondernd, die sowieso mehr Religion als Realität beschreiben, in Allge-
    meinplätzen badend usw. -nur eines haben sie nicht: Fach-
    wissen und durch (mühsame) konkrete Arbeit erlangte Erfahrung!
    Ich habe bisher keine einzige technische und geschäfts-
    mäßige Analyse mit Tiefgang von diesen beiden "Top-Mana- gern" gehört! Diese Herren stehen überall, hauptsächt-
    lich an der Kasse um die unverschämten Gehälter abzuho-
    len, aber nicht mit beiden Beinen im Zentrum des Siemens-
    Konzerns bzw. an der Geschäftsfront!
    Der überforderte (eitle) Aufsichtsrat-Vorsitzende strebte
    die Medienpräsenz mehr an als die schwierige Basisarbeit.
    Die Frauenquote, Compliance-Rummel, Solar-Energie-Mystik
    waren und sind die Dauerthemen, nur, davon raucht kein
    Schornstein.
    "Ein Vorstand braucht, nein darf keine Ahnung vom Ge-
    schäft haben, dann kann er unbefangen entscheiden", kein
    Zitat von den Herren Löscher oder Cromme, sondern von ei-
    nem Vorstand einer größeren Industrie-Zulieferfirma!
    Mein Credo: Wehret den Anfängen!

  • Es ist erstaunlich, was Herr Löscher seit 2007 alles angekünigt hat, und die Mrd Kosteneinsparungen plant er noch heute. Im operativen Geschäft hat er nur teuerste Flops zu verantworten, weil er als 'Alleinunterhalter' einfach überfordert ist, Siemens eine nachhaltige Umsatzstruktur zu geben. So wurstelt er weiter, und keiner
    geht hin und sagt: Lieber Herr Löscher Ihre Strategien für
    Siemens sind chaotisch - rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln-Sie sind überfordert, und wir sollten getrennte Wege gehen. Wir brauchen einen Nachfolger, der Ankündigungen auch umsetzt.

  • Stimmt nicht ganz. Beim Umsatz von Invensys ist von 800 Mio. GBP die Rede. Somit würde sich ein ROI von 4,5% ergeben. Ob der Deal aufgeht sei trotzdem dahingestellt.

  • Die Kernkompetenz von Siemens bestand in den letzten Jahren darin, seine Kernkompetenz systematisch zu desintegrieren. Ingenieurmäßig halt, wie es sich für einen Technik-Konzern gehörte. Längst waren alle Unternehmer aber auch alle fähigen Erfinder den Schranzen einer NYSE-Hype-Connection geopfert worden. Finden diese nicht schnellstens wieder ein zuhause im Hause, dann lässt sich lange Geschichte in einem Zehntel der Zeit auf Null fahren. Maximale EK-Rendite bei Auflösung der Aktiva inklusive. Lektion: Man sollte misstrauisch gegenüber Leuten sein, die Ihren Namen aufgeben, nur um geschmeidiger zu klingen.

  • Der französische Nuklearkonzern Areva schreibt rote Zahlen. So gut gehts der Atomindustrie auch nicht mehr.

  • Hm. Alles sehr merkwürdig. Das Geschäft mit der Gepäcksortierung, was zum Sektor Infrastructure gehört, wird abgestossen, weil es ´nur´ eine Rendite im mittleren einstelligen Bereich bringt. Dabei bringt das Geschäft mit den Hochgeschwindigkeitszügen auch nicht mehr, wobei die letzte Pannenserie der ICE´s auch noch belastend auf das Geschäft wirkt. Den Zukauf der britischen Bahnautonmatisierungsfirma verstehe auch wer will. Wieder ein Klotz mehr am Bein. Bei den schwerfälligen Siemens-Strukturen wird es Jahre dauern, bis dieses Unternehmen integriert ist und wird Millionen verschlingen. Osram: da hat Siemens schlichtweg die Trends der Zeit offenbar verpennt, denn andere Unternehmen verdienen gut mit Beleuchtung. ( Handy und Telefonsparte lassen grüssen, wurden auch abgestossen, weil man am Markt vorbei entwickelt hat ).

  • Der größte Fehler von Löscher war der Ausstieg aus der Kerntechnik. In der BRD leben ca. 1% der Weltbevölkerung die aufgrund zunehmender Verblödung infolge grüner Schullehrer meinen, man müsse Strom mit Windmühlen produzieren. Fakt ist jedoch, dass sich die Kerntechnik in den nächsten 50 Jahren mit Reaktorlinien der 3. und 4. Generation zur wichtigsten Energiequelle der Menschheit entwickeln wird. Für Siemens ist dieser Zug bereits abgefahren - und das wird dazu führen, dass der Konzern zur Bedeutungslosigkeit schrumpfen wird.
    Mit Solar und Wind hat Siemens ja schon Milliardenverluste eingefahren - mach weiter so Löscher, die Konkurrenz im Ausland ist dir dankbar, dass du die verhasste Konkurrenz aus der BRD vor die Wand fährst. Als Manager sollte man sich niemals an der Politik orientieren, denn wenn man sich politikgefällig verhält, ist der Untergang vorprogrammiert.

  • Ach ja, Peter Löscher.. -seine Qualifikation besteht wohl hauptsächlich darin, dass er der erste Chef von Siemens ist, der von außerhalb von Siemens kam. Das war 2007 wegen der damaligen "compliance"-Initiative wichtig.
    Ansonsten hat er nichts wesentliches zustandegebracht, als die Firma kaputt-zu-strukturieren: Kaufmannskrämerdenke statt Firmenlenker -Werner von Siemens rotiert wahrscheinlich im Grab.
    Naja, "compliance" ist als Thema zwischenzeitlich durch, also gilt: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen..

  • 800 Mio. € Umsatz und dafür 2.200 Mio. € zahlen. Das ist wieder so ein typischer Löscher-Deal. Geht man einmal von einer nachhaltigen Umsatzrendite von 10% aus, bedeutet dies ein ROI von 3,6%. Einfach nur "super"! Aber vermutlich sind die Umsatz-Rendite von 10% eh zu hoch gegriffen. Es handelt sich nämlich wohl um eine Sparte, die übernommen wird: Ergebnismanipulation inbegriffen! Löscher sollte gehen.

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