Konzernumbau
RWE-Chef strafft den Vertrieb

RWE-Chef Jürgen Großmann möchte sein Unternehmen fit machen für den europäischen Wettbewerb und treibt den Konzernumbau weiter voran. Nun soll die Zwischenholding Energy abgeschafft und der Vertrieb weiter gestrafft werden. Mit der neuen, schlanken Struktur möchte der Energieversorger auf den nationalen Märkten punkten.

DÜSSELDORF. RWE-Chef Jürgen Großmann will das deutsche Vertriebsgeschäft des Energiekonzerns grundsätzlich neu ausrichten. Er schafft die bislang zuständige Zwischenholding RWE Energy ab und verteilt deren Aufgaben auf Regionalversorger und die Zentrale. Gleichzeitig richtet er die gesamte Organisation des Konzerns stärker an seinen europäischen Märkten aus. Das Konzept für seine „neue RWE“ stellte Großmann gestern dem Aufsichtsrat vor.

Der Vorstandschef arbeitet schon seit seinem Amtsantritt im Herbst 2007 an der Konzernstruktur. RWE soll schlanker, schneller und marktorientierter werden. Großmann will Doppelarbeit vermeiden und die Entscheidungswege verkürzen. Er hat zwar bereits einige Funktionen neu geordnet, zerlegte beispielsweise die für interne Dienstleistungen zuständige RWE Systems und gründete eine neue Gesellschaft für erneuerbare Energien. Von Anfang an störte er sich aber besonders an der komplexen Struktur des deutschen Vertriebsgeschäfts. Bundesweit sind neun Regionalversorger tätig, die bislang von der Zwischenholding Energy geführt werden, der auch noch einige ausländische Töchter unterstehen. Zudem gab es im Stammgebiet neben Energy in Dortmund gleich zwei große Regionalversorger, Rhein-Ruhr mit Sitz in Essen und Westfalen-Weser-Ems (WWE) in Dortmund.

Jetzt wagt sich Großmann an dieses Problem. Er fusioniert Rhein-Ruhr, WWE und Energy zu einem großen Versorger für die Region und einer regionalen Netzgesellschaft und überträgt einzelne zentrale Aufgaben von Energy an die Zentrale. Die beiden neuen Unternehmen werden ebenso direkt der Zentrale in Essen unterstellt wie die anderen sieben Regionalversorger in Deutschland. Hierfür installiert er im Konzernvorstand einen Deutschlandchef, den bisherigen Chef des Kölner Regionalversorgers Rheinenergie Rolf Martin Schmitz. Dieser überwacht neben dem regionalen Vertriebs- und Netzgeschäft die deutsche Kraftwerkstochter RWE Power sowie eine neue Gesellschaft, die sich um Energiedienstleistungen und Energieeffizienz kümmern soll. Für diese neue Tochter hat Großmann Stephan Kohler, bislang Chef des öffentlich-rechtlichen Beratungshauses Deutsche Energie-Agentur (Dena), gewonnen.

Der Umbau des Vertriebs ist heikel, weil zahlreiche Manager ihre Funktion verlieren werden und weil vor allem Standortinteressen in Essen und Dortmund betroffen sind. Bei den drei betroffenen Unternehmen arbeiten schließlich rund 11 000 Mitarbeiter. Man habe die Pläne zur Kenntnis genommen, sagte ein Aufsichtsrat nach der Sitzung. „Wir werden die weiteren Schritte aber aufmerksam verfolgen und diskutieren.“ Insbesondere der Oberbürgermeister des größten und einflussreichsten kommunalen Aktionärs Dortmund, Gerhard Langemeyer, hat Großmanns Umbau von Anfang an kritisch verfolgt und pocht auf alte Zusagen aus der Fusion von RWE und der damals in Dortmund ansässigen VEW im Jahr 2000.

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