Konzernumbau
Thyssen wird wieder mehr Krupp

Die Führung von Thyssen-Krupp will die Zügel straffer anziehen. Beim angestoßenen Konzernumbau sollten die Gestaltungsmöglichkeiten der einzelnen Geschäftsbereiche beschnitten und dabei der Einfluss der Arbeitnehmer zurückgedrängt werden, verlautete aus Unternehmenskreisen.

FRANKFURT. Die Macht solle in der Holding gebündelt werden - auch mit dem Ziel, schneller auf Marktveränderungen reagieren zu können. Bislang haben die Arbeitnehmer über die Vertreter der Betriebsräte und der IG Metall in den Aufsichtsräten der fünf Sparten und der Thyssen-Krupp AG große Mitsprachemöglichkeiten. Bei der montanmitbestimmten Thyssen-Krupp Steel können die Mitarbeiter sogar Entscheidung blockieren. Die Konzernführung will nun bei der angekündigten Verschlankung von fünf auf zwei Divisionen die Aufsichtsräte unterhalb der Holding nach Möglichkeit abschaffen, wie es heißt. Thyssen-Krupp äußerte sich nicht dazu.

Auf die Neuordnung drängt dem Vernehmen nach vor allem Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Er orientiere sich dabei an der straffen Führungsstruktur der früheren Krupp und weniger an dem Modell von Thyssen, das eine größere Mitbestimmung der Arbeitnehmer vorsah. Zehn Jahre nach der Fusion der beiden Konzerne setzt sich damit die Linie der Krupp-Mannschaft durch, zu der neben Cromme auch Berthold Beitz gehört. Der 95-Jährige schaltet sich als Vorstand der Krupp-Stiftung und Ehrenvorsitzender des Konzernaufsichtsrats den Kreisen zufolge wieder stärker in die Geschicke des größten deutschen Stahlproduzenten ein. Ihn treibt die Sorge vor einem Ausfall der Dividende, der den Handlungsspielraum seiner Stiftung einschränken würde.

Mit dem Umbau reagiert die Konzernführung auf die wirtschaftlich schlechte Lage, die ihre Spuren in der Bilanz eingräbt. Das Unternehmen droht aus Sicht von Analysten in diesem Geschäftsjahr in die roten Zahlen abzurutschen. Vorstandschef Ekkehard Schulz wird dabei angekreidet, nicht frühzeitig auf den Nachfrageabbruch reagiert zu haben. So wurde die Stahlproduktion nicht schnell genug angepasst.

Nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" will der Vorstand heute zusammentreffen, um über weitere Details zu beraten. In den kommenden Wochen sollen die Pläne dann mit den Betriebsräten diskutiert werden, bevor die konkrete Struktur am 13. Mai dem Konzernaufsichtsrat zur Abstimmung vorgelegt werden soll.

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