Kooperation Fiat kauft Motoren von chinesischer Chery

Der italienische Autokonzern Fiat baut seine strategischen Allianzen weiter aus. Gestern hat das Unternehmen in Peking ein Abkommen mit dem chinesischen Hersteller Chery bekannt gegeben. Die Chinesen sollen jährlich 100 000 Motoren für die Fiat-Modelle in China, aber auch außerhalb des Landes liefern.

MAILAND. Die beiden Unternehmen haben damit doch noch eine Einigung gefunden, nachdem die Verhandlungen, die bereits vor einem Jahr begonnen hatten, ins Stocken geraten waren.

Fiat-Vorstandschef Sergio Marchionne stellte auch eine weitergehende Zusammenarbeit in Aussicht: „Das ist auch eine gute Grundlage, um eine weitere Kooperation mit Chery in der Automobilindustrie auszuloten“, sagte er.

Das Abkommen passt in die internationale Strategie von Fiat. Seit die Italiener vor zwei Jahren die Allianz mit dem US-Autohersteller General Motors beendet haben, setzt Fiat unter der Führung Marchionnes nur noch auf so genannte strategische Partnerschaften. Das heißt, dass das Unternehmen mit Sitz in Turin für einzelne Produkte gezielte Allianzen ohne jede Kapitalbeteiligung eingeht. So produziert Fiat unter anderem mit Ford Europe in Polen auf der gleichen Plattform den neuen Fiat 500 und den Ford Ka, die Autotochter des russischen Unternehmens Severstal produziert zwei PKW-Modelle für die Italiener.

Auf dem chinesischen Markt ist Fiat schon mit einem Joint Venture mit Nanjing Automobile präsent. Allerdings läuft das Projekt für Fiat wenig erfreulich. Während sich die Konkurrenten wie General Motors und Volkswagen über Gewinne in China freuen, fährt das Joint Venture mit Nanjing Automobile noch immer Verluste ein. Und auch von dem Ziel, in China bis 2010 jährlich 300 000 Autos zu verkaufen, sind die Italiener noch weit entfernt: Im vergangenen Jahr waren es gerade einmal 31 000. Zum Vergleich: Der deutsche Konkurrent Volkswagen hat in China allein in den ersten sechs Monten dieses Jahres 431 000 Autos verkauft.

Das soll das neue Abkommen mit Chery nun ändern. Nach Ansicht von Analysten könnte eine Integration von Fiat und Chery die Wettbewerbsfähigkeit von Fiat in China stärken und auch den Verkauf ankurbeln.

Während Fiat auf dem chinesischen Markt noch deutlichen Nachholbedarf hat, läuft das Geschäft auf dem Heimatmarkt bestens. Auch im Juli konnte Fiat den Marktanteil bei mehr als 30 Prozent halten. Für den neu aufgelegten Klassiker 500 (Cinquecento) sind im ersten Monat bereits 64 000 Bestellungen eingegangen. Auch der neue Grande Punto, den Fiat im vergangenen Jahr auf den Markt gebracht hat, läuft gut. Eher enttäuschend verkauft sich der neue Stilo.

Nach fünf Krisenjahren hat Fiat im vergangenen Jahr die Kehrtwende endgültig geschafft. Seit 2006 schreibt auch die Autosparte – das einstige Sorgenkind – wieder aus eigener Kraft Gewinne. Der Aktienkurs von Fiat hat sich seit seinem Tiefstpunkt im Frühjahr 2005 auf derzeit mehr als 20 Euro vervierfacht. Zwischendurch kletterte der Kurs sogar auf knapp 24 Euro.

Bisher wird die italienische Aktie auch an der Wall Street in Form so genannter Hinterlegungsscheine (ADR) gehandelt. Allerdings hat Fiat am Freitag den Antrag gestellt, sich von der New Yorker Börse NYSE zurückzuziehen. „An der amerikanischen Börse hatten wir minimale Handelsvolumen, und Fiat ist nicht die einzige europäische Gesellschaft, die einen Einbruch bei den Handelsvolumen gehabt hat“, kommentierte Marchionne am Wochenende die Entscheidung. Erst vergangene Woche hat auch der deutsche Chemiekonzern BASF wegen geringer Handelsvolumen an der Wall Street seinen Rückzug von der Börse angekündigt.

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