Kooperation mit Ashok Leyland
Nissan lässt Inder Autos bauen

Der japanische Autokonzern Nissan baut in Indien durch Techniktransfer an einheimische Partner eine konkurrenzfähige Billigproduktion auf. Unternehmenschef Carlos Ghosn hat am Montag in Chennai eine Vereinbarung mit dem LKW-Hersteller Ashok Leyland über die Gründung von Gemeinschaftsunternehmen zur Herstellung von Kleinlastern unterzeichnet.

DELHI/TOKIO. „Diese Vereinbarung stärkt unseren Geschäftsbereich leichte Nutzfahrzeuge“, sagte Ghosn. Ashok Leyland und Nissan wollen der Vereinbarung zufolge rund 500 Mill. Dollar in eine Fabrik für leichte Nutzfahrzeuge, ein Motorenwerk und eine ausgelagerte Entwicklungsabteilung investieren. Ab 2010 sollen neben Nissans Leicht-LKW Atlas F24 weitere Laster in Größen von 2,5 bis acht Tonnen vom Band laufen. Pro Jahr könnten später einmal bis zu 100 000 Stück den indischen und den internationalen Markt erreichen.

Indiens Wirtschaftswachstum hat sich auf über neun Prozent beschleunigt. Das lässt den Güterverkehr explodieren. Die Ratingagentur Fitch erwartet, dass der LKW-Markt in den kommenden fünf Jahren mit je zehn Prozent wächst und auch schwere Laster zunehmend Zuspruch finden. Nissan und Ashok Leyland müssen sich jedoch auf harte Konkurrenz einstellen: Mahindra investiert mit dem US-Riesen Navistar 564 Mill. Dollar in den Bau eines Werks mit einer Jahreskapazität von 250 000 Lastern. MAN produziert seit 2006 in einer Allianz mit Force Motors und plant Exporte aus Indien. Daimler sucht indischen Medienberichten zufolge nach einem Partner. Scania steht kurz vor dem Markteintritt, Volvo erhöht seine Kapazität, und Piaggio stößt ins Segment für Mini-Laster vor.

Doch nicht nur LKWs, auch PKWs gehören zur neuen Indien-Strategie der Japaner. Direkt nach der Visite bei Ashok Leyland stattete Goshn gestern Bajaj Auto in Pune einen Besuch ab. Mit Indiens führendem Hersteller von Motorrollern und Motor-Rikschas. verhandelt Renault über den Bau eines Billigst-Autos für Schwellenländer. Nissan reagiert damit auf die Ankündigung des indischen Schwergewichts Tata Motors, 2008 ein Auto für 2 500 Dollar für Indiens Massen auf den Markt zu bringen. „Das ist durch die genügsame indische Produktionsweise möglich. Doch wenn jemand anderes das kann, dann können wir das auch“, sagte Ghosn. Das 3 000-Euro-Auto soll auf jeden Fall vor 2010 marktreif sein. Nissans europäischer Partner Renault steuert Erfahrungen mit dem Billigauto Logan bei.

Bajaj hat bisher maximal dreirädrige Fahrzeuge gebaut und muss mit Nissans Hilfe erheblich in Technik investieren. Doch Ghosn sagte ausdrücklich, dass die Herstellung ganz in den Händen des indischen Partners liegen soll. Das Billigauto könnte damit einen Markt erschließen, der bisher von Motorrollern und Gebrauchtwagen dominiert wird. A.T.Kearney beziffert den Markt für solche Fahrzeuge in dem Land auf bis zu 300 Mill. Stück. Den Bajaj-Wagen werden die drei beteiligten Firmen jeweils unter eigenem Namen verkaufen, war in Tokio zu hören.

Bei seinen Plänen könnte sich Goshn allerdings in ein konfliktträchtiges Netz von Allianzen verstricken: Ashok Leyland rivalisiert mit Mahindra. Mit diesem Partner produziert Renault seit Jahresanfang sein Billigauto Logan in Indien. „Wir werden so viele Allianzen eingehen, wie wir in diesem Land brauchen“, erklärte Goshn gestern.

Es ist kein Zufall, dass sich Indien zum Brennpunkt eines globalen Trends zu Ultra-Billig-Autos entwickelt. Mit Hilfe von Einstiegsmodellen für weniger als 5000 Dollar hat sich Suzuki dort zum unangefochtenen Marktführer entwickelt, gefolgt von Hyundai. Westliche Hersteller haben Probleme bei der Durchdringung des Massensegments. Inder bevorzugen kleine, einfache Modelle. Diese müssen extrem billig sein, denn die Kaufkraft liegt im Schnitt nur halb so hoch wie in China.

Neue indische Partner

Zusätzlich zur bisherigen Kooperation mit dem Autohersteller Mahindra geht Nissan zwei neue Allianzen ein:

Ashok Leyland: Der Nutzfahrzeughersteller ist das wichtigste Tochterunternehmen des Londoner Investmentkonglomerats Hinduja, das indische Firmen in allen Branchen besitzt. Ashok selbst hat einen Umsatz um zwei Mrd. Dollar und stößt rund 100 000 Fahrzeuge im Jahr aus. Exporte gehen vor allem in andere Schwellenländer.

Bajaj Auto: Das Unternehmen trägt zwar „Auto“ im Namen, stellt aber bisher Motorroller, Motorräder und Kraftrikschas her. Bajaj ist allerdings nicht zu unterschätzen: Die Kleinstfahrzeuge sind in Indien ein Milliardengeschäft, Firmenchef Rahul Bajaj gehört zu den reichsten Männern des Landes. Bei Motorrädern arbeitet das Unternehmen bereits mit der japanischen Kawasaki Heavy Industries zusammen. Die autoähnlichsten Produkte sind bislang dreirädrige Mini-Transporter.

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