Kooperation mit Renault und Nissan
GM probt bei Transportern den Ernstfall

Bei den Opel-Transportern Vivaro und Movano steht der Modellwechsel an. Das Ereignis dürfte beim Mutterkonzern General Motors für besondere Aufmerksamkeit sorgen. Denn bei den Lieferwagen besteht seit Jahren eine Kooperation mit Renault und Nissan; bei Pkw wird sie gerade angebahnt. Da können sich die US-Konzernlenker einiges von ihren deutschen Kollegen abschauen.

GRAVENBRUCH. Bereits seit 1996 kooperieren GM und Renault bei der Entwicklung und beim Bau von leichten Nutzfahrzeugen in Europa und dehnten die Zusammenarbeit ab 2002 auf Nissan aus. „Ich bin sicher, dass GM in den nächsten Wochen auch unsere Erfahrungen heranziehen wird“, sagte der Nutzfahrzeugchef und oberste Produktplaner von GM in Europa, Jamal El Hout, dem Handelsblatt in Gravenbruch bei Frankfurt.

Die Neuauflagen des Kompakt-Vans Opel Vivaro sowie des Transporters Opel Movano, die im September auf den Markt rollen, sind damit mehr als nur einfach anstehende Modellwechsel für den Hersteller. Die neuen Fahrzeuge aus der Kooperation werfen möglicherweise ein Schlaglicht darauf, wie ein globales Bündnis künftig funktionieren könnte. El Hout gibt sich allerdings diplomatisch: „Wir sind sehr zufrieden mit der Kooperation mit Renault-Nissan“, sagte er. Ob dies ein Vorbild für eine weiterführende Allianz der Konzerne sein könnte, hänge aber davon ab, ob und in welcher Form eine Zusammenarbeit am Ende realisiert werde.

Doch für die Expertenteams der Unternehmen, die bis Oktober die Möglichkeiten einer Allianz vertieft prüfen, sind die Erfahrungen im Transportermarkt vor diesem Hintergrund von besonderem Interesse, zeigt doch das Beispiel leichte Nutzfahrzeuge, wie die Hersteller künftig bei Entwicklung und Bau neuer Modelle zusammenarbeiten könnten. Die leichten bis mittelschweren Transporter, die Nissan, Opel und Renault in Europa anbieten, sind weitgehend baugleich.

Die Kooperation minimiert für beide Seiten das finanzielle Risiko erheblich, können sich die Autobauer die Kosten doch teilen und mussten nur jeweils rund 350 Mill. Euro in Design und Fertigungstechnik für die neuen Modelle investieren. Ein Vorteil für beide Hersteller, denn da die Stückzahlen im Kleintransportermarkt im Unterschied zur PKW-Produktion deutlich niedriger liegen, schafft kaum ein Unternehmen allein die Produktionsmengen, um signifikante Kostenvorteile zu erreichen, betonte El Hout. So arbeiten auch Daimler-Chrysler und Volkswagen sowie Fiat und Peugeot-Citroën im Transporterbereich seit Jahren zusammen.

Strenge Arbeitsteilung

Neben einer 50:50-Kostenteilung legten GM, Renault und Nissan bei der Kooperation auch klare Verantwortlichkeiten fest: So lieferte Renault das Design, Entwicklung und Motoren, während GM 1999 mit der Fertigung in seinem britischen Werk Luton startete. Seit 2002 werden die Fahrzeuge auch in einem Nissan-Werk im spanischen Barcelona gebaut. Fachleute sprechen dabei von „Badge Engineering“, da der Opel Vivaro bis auf winzige optische Details weitgehend identisch mit dem Renault Trafic ist.

Trotz der Ähnlichkeiten waren beide Modelle auf dem hart umkämpften Markt erfolgreich. Ermutigt durch den Erfolg weiteten Renault und GM 2002 ihre Kooperation aus. Der größere Renault Master wird seitdem im französischen Renault-Werk Batilly auch für GM unter dem Namen Movano produziert.

Experten halten die Erfahrungen im Nutzfahrzeugbereich allerdings nur begrenzt für übertragbar auf den PKW-Sektor, da beim Transporter-Kauf Prestige und Image kaum eine Rolle spielten. Die Nutzfahrzeug-Kooperation führe zudem vor, dass es Jahre dauern würde, bis PKWs von gemeinsamen Bändern laufen könnten. Die Produktzyklen der Modelle, die sich dann decken müssen, machten ein solches Unterfangen schwierig.

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