Kooperation
Scania und MAN ringen um Lkw-Allianz

Volkswagen strebt eine engere Verflechtung der Lkw-Hersteller Scania und MAN an, doch die Reaktionen der Beteiligten fallen unterschiedlich aus. In der MAN-Zentrale in Müchen wiegelt man Gerüchte über ein Zusammengehen ab, aus der Scania-Zentrale in Stockholm werden die Meldungen dagegen bestätigt. Die Schweden streben die Führungsrolle an.
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MÜNCHEN/HAMBURG/STOCKHOLM. Der schwedische Lkw-Hersteller Scania hat erstmals offizielle Gespräche über ein Zusammengehen mit MAN bestätigt. "Die bisherigen Untersuchungen zu Projekten für mehr Synergien haben ergeben, dass eine engere Kooperation durch eine Kombination beider Unternehmen erforderlich ist", teilte Scania mit. MAN wiegelte hingegen ab: Der Münchener Konzern bekräftigte lediglich Gespräche über eine engere industrielle Zusammenarbeit.

Diese unterschiedliche Kommunikation unterstreicht die divergierenden Interessen: Beide Unternehmen pochen auf Eigenständigkeit, keines will sich gerne vom anderen übernehmen lassen. Dass die Lkw-Bauer zusammenrücken, ist aber ausgemacht: Beide werden von Volkswagen gelenkt und sollen nach dem Willen des Konzerns eine schlagkräftige Einheit bilden. Wie das genau passieren soll, ist weiterhin offen und umstritten.

Am Wochenende waren Pläne bekannt geworden, nach denen MAN künftig unter dem Dach von Scania geführt werden könnte. Ein Scania-Sprecher sagte am Montag, in der Frage einer gesellschaftsrechtlichen Verflechtung sei noch keine Entscheidung gefallen. Die Übernahmefantasien trieben die Aktien von MAN um 6,19 Prozent auf 87,55 Euro.

Die IG Metall in Bayern kündigte umgehend Widerstand an. "Wir lehnen eine Übernahme der MAN S.E. durch Scania klar ab", sagte Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler nach Rücksprache mit den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat. Die Arbeitnehmer fürchten, dass die 26 000 MAN-Beschäftigten in Deutschland mit Nachteilen rechnen müssten. Zudem fürchten die Metaller eine Zerschlagung in die Bestandteile Nutzfahrzeuge und Dieselmotoren.

Die Sorge sei unberechtigt, hieß es in VW-Kreisen. Der Autobauer gibt die Richtung bei der Lkw-Allianz vor. Volkswagen hält 71 Prozent der Scania-Stimmen und rund 30 Prozent an Konkurrent MAN. Chefaufseher bei MAN ist in Personalunion Volkswagens Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Piëch stehe zu seinem Wort, eine Aufspaltung von MAN zu verhindern, hieß es. Man führe zwar Gespräche, es sei aber noch nichts entschieden. In jedem Fall sollten beide Marken erhalten bleiben. In Wolfsburg, Stammsitz von VW, gibt es seit Jahren eine enge Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat, IG Metall und der Unternehmensspitze.

Klar ist, dass Piëch die Fortschritte bei der Zusammenarbeit zwischen MAN und Scania nicht schnell und weit genug gehen. Beobachter sehen die Auseinandersetzung als Rangeleien um die Führungsposition. Scania ist vorgeprescht. "Das bedeutet nicht, dass es am Ende auch so kommt", heißt es in VW-Kreisen. Auch die Schweden wollen sich auf keinen Zeitplan für ein eventuelles Zusammengehen festlegen. "Wir sprechen seit Juli miteinander, aber wir können noch nicht sagen, wann ein Ergebnis auf dem Tisch liegt", sagte der Scania-Sprecher. VW-Kreise dämpften Erwartungen, eine Entscheidung stehe kurz bevor. Das Ringen dürfte damit weitergehen.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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