Kooperation von Serono und Micromet unterstreicht wachsendes Interesse - Allianzen ersetzen Risikokapital
Interesse an deutschen Biotechs wächst

Ausländische Pharmakonzerne zeigen zusehends Interesse an deutschen Biotech-Produkten. Vor allem einige ältere Firmen können damit den Mangel an Risikokapital kompensieren.

FRANKFURT/M. Vor allem einige ältere Firmen, die bereits Wirkstoffe in der klinischen Entwicklung haben, können damit den Mangel an Risikokapital kompensieren. Das Gros der Branche kämpft dagegen weiter mit Finanzierungsproblemen.

Das jüngste Beispiel für den gespaltenen Trend in der Biotech- Szene lieferte vor wenigen Tagen eine umfangreiche Allianz zwischen der Münchner Firma Micromet und dem führenden europäischen Biotechunternehmen, der Genfer Serono-Gruppe. Serono wird sich künftig an der Entwicklung des Micromet-Wirkstoffs MT201 beteiligen und zahlt dafür im Erfolgsfall bis zu 138 Mill. Dollar plus Lizenzgebühren. Branchenkenner betrachten solche Transaktionen als positives Signal. „Solche Deals bieten letztlich eine Bestätigung für die Technologien“, sagte Biotech-Expertin Julia Schüler von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, die den Sektor besonders intensiv beobachtet.

Ähnlich wie bei Micromet waren es auch in anderen Fällen vor allem Schweizer und amerikanische Firmen, die in jüngerer Zeit Appetit auf deutsche Biotech-Forschung entwickelten. So konnte etwa vor kurzem die Berliner Epigenomics ihre bereits bestehende Partnerschaft mit dem Baseler Pharma- und Diagnostika-Konzern Roche erweitern.

Vor einigen Monaten besiegelte die Aachener Paion AG eine Vertriebsallianz mit dem US-Pharmakonzern Forest für das Schlaganfall- Medikament Desmoteplase, das in klinischen Studien sehr gute Resultate gezeigt hatte. Die amerikanische Biotechfirma OSI erwarb zur Jahresmitte für 35 Mill. Dollar die Rechte an einem Diabetes-Medikament, das von der ostdeutschen Firma Probiodrug entwickelt wird.

Auch die am Mittwoch besiegelte Übernahme der Wiener Igeneon durch die US-Biotechfirma Aphton Corporation wird von Fachleuten als Indiz für ein wachsendes Interesse an der hiesigen Biotechbranche gewertet. „Einige Unternehmen befinden sich auf einem sehr guten Weg“, sagt Biotechexperte Thomas Höger von der DZ Bank.

Wurden die vergangenen Jahre eher von Fehlschlägen geprägt, dominierten 2004 die Erfolge. Die börsennotierte Medigene AG etwa erhielt zu Jahresbeginn ihre erste Produktzulassung und meldete vor wenigen Tagen positive Daten für ein weiteres Produkt, den Wirkstoff Polyphenon gegen Genitalwarzen. Die Zulassung dafür will man Mitte 2005 beantragen. Die ebenfalls in München beheimatete Wilex AG startete zur Jahresmitte eine abschließende klinische Studie für das potenzielle Krebsmittel Rencarex, nachdem ein Phase-II-Test positive Daten brachte. In einer ähnlichen Position befindet sich die Berliner Jerini AG mit ihrem Mittel Icantibant, einem Spezialpräparat gegen Schwellungen und Bauchwassersucht. Die Münchner Idea AG meldete Mitte Juli den erfolgreichen Abschluss einer Studie mit einem neuartigen Schmerzmittel. Lizenznehmer ist ein großer US-Konzern.

Firmen mit erfolgversprechenden Produktkandidaten kommt derzeit zu Gute, dass sowohl Pharmakonzerne als auch die größeren Biotechunternehmen verstärkt in neue Produktlizenzen investieren. Serono etwa versucht, das umfangreiche Know-how auf dem Gebiet der therapeutischen Proteine verstärkt im Krebsbereich zu nutzen. Der Wirkstoff von Micromet bietet daher eine interessante Ergänzung. Im Gegenzug kommt Micromet in der Finanzierung einen großen Schritt voran. „Die Kooperation gibt uns finanzielle Flexibilität, um unsere Forschung weiter voranzutreiben“, sagte Micromet-Chef Christian Itin. MT201 wird derzeit in der klinischen Phase II und damit erstmals an einer größeren Zahl von Patienten getestet. Ein Zulassungsantrag ist indes vor 2008 kaum in Sicht.

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