Kooperationen reflektieren auch wachsenden Bedarf an neuen Produkten
Pharmariesen kaufen Biotech-Projekte

Kooperationen von Aventis und Amgen deuten auf steigende Preise für Erfolg versprechende Entwicklungen.

FRANKFURT/M. Große Pharmakonzerne investieren verstärkt in neue Entwicklungsprodukte aus dem Biotech-Sektor. Das haben gestern umfangreiche Forschungs-Allianzen von Aventis mit der US-Firma Regeneron sowie von Amgen mit der schwedischen Biovitrum untermauert.

Amgen wird nach Angaben eines Biovitrum-Sprechers bis zu 612 Mill. $ für Rechte an Entwicklungsprodukten gegen Diabetes und andere Stoffwechsel-Krankheiten zahlen. Außerdem gewährt der US-Konzern den Schweden Vertriebsrechte für eigene Rheuma-Medikamente. Der Deal gilt damit als die finanziell umfangreichste Allianz eines europäisches Biotechunternehmens.

In einer ähnlichen Dimension bewegt sich die Kooperation von Aventis mit Regeneron, die auf Zahlungen von bis zu 510 Mill. $ für die Rechte an dem potenziellen Krebsmittel VEGF Trap hinauslaufen könnte. Außerdem übernimmt Aventis zunächst sämtliche Entwicklungskosten, wovon Regeneron im Erfolgsfall aber die Hälfte erstatten muss.

Zwar wird – wie bei solchen Deals üblich – ein Großteil der Zahlungen nur in Abhängigkeit von bestimmten Entwicklungs-Erfolgen fällig. Allerdings stellt auch die vorgesehene Anfangszahlung von 125 Mill. $ eine relativ hohe Summe für ein Produkt dar, das sich noch in der ersten von drei klinischen Testphasen befindet. Der Deal liefert insofern ein deutliches Indiz dafür, wie stark sich aussichtsreiche Entwicklungsprojekte aus der Biotechforschung in jüngerer Zeit verteuert haben.

Das gilt in besonderem Maße für die Wirkstoffgruppe der so genannten Angiogenese-Hemmer, zu denen auch das Regeneron-Produkt gehört. Diese Substanzen zielen darauf, das Wachstum von Blutadern in Tumoren zu stoppen und dadurch die Krebsherde gleichsam auszuhungern. Der Ansatz hatte zunächst enttäuscht, erlebte jüngst aber einen enormen Aufschwung, nachdem der US-Konzern Genentech Anfang Juni überraschend positive Resultate für sein potenzielles Krebsmittel Avastin präsentierte. Als erstes Medikament aus der neuen Gruppe dürfte Avastin noch im laufenden Jahr in das Zulassungsverfahren gehen.

Davon ist das Regeneron-Produkt vermutlich noch einige Jahre entfernt. Dessen ungeachtet bewertet Aventis-Forschungschef Frank Douglas die Substanz allerdings als einen der „vielversprechendsten neuen Wirkstoffe“ im Krebsbereich. Die Weiterentwicklung des Produkts wolle man nun durch mehrere, parallel laufende Studien für verschiedene Krebsarten zügig vorantreiben.

Mit dem Medikament Taxotere ist Aventis schon heute einer der führenden Anbieter von Krebsmedikamenten. Zudem hat der Konzern seine Forschung auf dem Gebiet in den vergangenen Jahren bereits durch eine ganze Reihe von Allianzen erweitert, so zuletzt durch eine Kooperation mit der amerikanischen Immunogen. Für das gemeinsam mit der US-Firma Genta entwickelte Mittel Genasense werden in Kürze Ergebnisse einer zulassungsrelevanten Studie erwartet. Für dieses Mittel, das die Wirkung von etablierten Chemotherapeutika verstärkt, will man eventuell noch im laufenden Jahr eine erste Zulassung beantragen. Experten rechnen mit deutlich positiven Testresultaten.

Andererseits reflektieren derartige Kooperationen auch einen wachsenden Bedarf an neuen Produkten, den sich Aventis mit etlichen anderen Pharmariesen teilt. Zusammen mit Glaxo Smithkline, Roche und Novartis gehörten die Straßburger in jüngerer Zeit zu den aktivsten Einkäufern in der Branche.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass zwei Top-Produkte von Aventis möglicherweise bald von Nachahmer-Konkurrenz bedroht werden, bewerten Analysten das Portfolio an Entwicklungs-Projekten aber nach wie vor als eher mittelmäßig. Gemessen an der Größe des Konzerns, argumentiert etwa Peter Spengler von der DZ-Bank, „ könnte die Aventis-Pipeline durchaus noch einige Produkte vertragen.“

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