Kooperationen
Wie die Premiumautobauer nach Partnern suchen

Motoren mit Peugeot-Citroën, Einkauf mit Daimler, Hybrid mit Toyota: BMW verbündet sich gerne mit vermeintlichen Konkurrenten. Doch auch die Konkurrenz um die Premiumkrone setzt auf Kooperationen.
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München/Wolfsburg/StuttgartGröße ist relativ: Mit einem Umsatz von 68 Milliarden Euro und gut 100 000 Beschäftigten ist BMW ein Schwergewicht in der deutschen Industrie und eine der begehrtesten Marken weltweit. Doch gemessen an den Stückzahlen gleicht BMW eher einem Nischenspieler. Zwar verkauften die Münchener in ihrem Rekordjahr 2011 1,67 Millionen Autos und fahren Spitzengewinne ein. Volkswagen, Mutterkonzern des Erzrivalen Audi, setzte aber 8,36 Millionen Fahrzeuge ab. Auch Ford, General Motors und Toyota sind deutlich größer als BMW. Das hat Folgen: Die Konkurrenz kann bei den Zulieferern nicht nur ein größeres Einkaufsvolumen ins Feld führen, sie kann auch die Entwicklungskosten schneller wieder einspielen.

Das Problem beschäftigt die Münchener schon lange. Eine erster Lösungsversuch endete allerdings fatal: 1994 kauft BMW den britischen Massenhersteller Rover. Alle Versuche, Briten und Bayern zusammenzubringen, schlugen fehl, Rover wurde zum Milliardengrab. Im Jahr 2000 steigt BMW wieder aus, doch das strategische Dilemma bleibt.

Seitdem versucht BMW, Größe zu simulieren. Wo immer möglich, verbündet sich der Konzern mit Partnern, um Kosten zu senken. So unterhält BMW seit Jahren eine Motorenkooperation mit dem französischen Konzern Peugeot-Citroën. Beide Partner profitieren, weil sich die Entwicklungs- und Produktionskosten auf viel höhere Stückzahlen verteilen. Selbst mit Daimler arbeitet BMW zusammen: Mitten in der Absatzkrise des Jahres 2009 vereinbarten die Rivalen den gemeinsamen Einkauf beispielsweise von Gurtstraffern und Fensterhebern. Zu mehr reichte es aber nicht: Zu stark ist die Rivalität zwischen München und Stuttgart.

Stattdessen setzte Reithofer stärker auf PSA. Mit den Franzosen wurde 2010 eine Vereinbarung zur gemeinsamen Entwicklung von Hybridkomponenten getroffen. Doch seitdem Anfang März General Motors und PSA eine gegenseitige Beteiligung vereinbarten, wendet sich BMW wieder von dem Partner ab.

Der neue Partner für alternative Antriebe, Leichtbau und Sportwagen heißt seit Anfang Juli Toyota. In den kommenden Wochen wollen Bayern und Japaner Details festschreiben. Viel wird davon abhängen, ob sich die beiden Partner gegenseitig vertrauen können.

Toyota will sein Wissen über die Hybridtechnik einbringen, in der Kombination von Verbrennungs- und Elektromotor sind die Japaner weltweit führend. BMW hingegen will seine exklusiven Kenntnisse über die Verarbeitung von Kohlefaser offenlegen, die sich die Münchener in der Zusammenarbeit mit dem Unternehmen SGL Carbon erworben haben.

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