Koreanischer Autobauer
Inder kaufen Ssangyong

Mahindra & Mahindra geht auf Einkaufstour: Der führende indische Nutzfahrzeugbauer hat ein Abkommen zur Übernahme des angeschlagenen südkoreanischen Geländewagenspezialisten Ssangyong Motor unterzeichnet.
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NEU-DELHI. Indiens Autohersteller setzen ihre Expansion ins Ausland fort. Der füh-rende indische Nutzfahrzeugbauer Mahindra & Mahindra besiegelte gestern die im August angekündigte Übernahme des südkoreanischen Geländewagenspezialisten Ssangyong Motor. Mahindra bezahlt für 70 Prozent des angeschlagenen koreanischen Unternehmens 340 Mio. Euro. Davon entfallen 278 Mio. Euro auf den Erwerb neuer Aktien, der Rest auf Unternehmensobligationen.

Branchenexperten bewerten die Übernahme als riskant. SSangyong stand im Februar 2009 kurz vor der Pleite und musste Gläubigerschutz beantragen. Der Absatz des kleinsten der fünf koreanischen Autohersteller war wegen der Weltwirtschaftskreise eingebrochen. „SSangyong profitabel zu machen wird schwierig“, sagte Mahantesh Sabarad, Analyst des Wert-papierhauses Fortune Equity Brokers in Bombay. Mahindra gehe ein hohes Risiko ein. Die Inder sind bereits der dritte Mehrheitseigner seit 1998. Damals übernahm das koreanische Unternehmen Daewoo Ssangyong, 2004 folgte Chinas Autobauer Nummer eins, SAIC Motors. Beide verfehlten allerdings klar die angestrebten Wachstumsziele.

Der Kauf der britischen Nobelmarken Jaguar und Land Ro-ver (JLR) durch Tata Motors 2008 allerdings zeigt, dass die indischen Autohersteller durchaus in der Lage sind, ein Krisenunternehmen wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. Tata hat JLR nach jahrelangen Verlusten wieder zurück in die Gewinnzone geführt.

Mahindra will den Absatz bei SSangyong durch die Einführung mindestens drei neuer Modelle in den nächsten vier Jahren ankurbeln. Zuletzt hatten sich die Verkaufszahlen der Koreaner bereits deutlich positiv entwickelt. Die Gläubiger von Ssangyong müssen dem Deal noch zustimmen.

Mit der Übernahme verschafft sich Mahindra Zugang zu den Märkten von Ssangyong in Asien und Europa und dessen überlegener Motorentechnologie. SSangyong produziert Sportgeländewagen (SUVs) unter den Markennamen Kyron und Rexton sowie die Stufenhecklimousine Chairman auf Basis einer Mercedes-Plattform. Im August erhielten die Koreaner die Genehmigung der US-Behörden zum Export in die USA.

Mahindra, der größte indische Hersteller von SUVs und Traktoren, kündigte an, die Modelle von Ssangyong als Premium-Marken in Indien einführen zu wollen. Das muss vor allem Daimler aufhorchen lassen. Sollte der Chairman auf dem Subkontinent eingeführt werden, könnte er zu einem Billig-Wettbewerber der Mercedes S-Klasse werden. Mahindra hat bisher vor allem mit Renault zusammengearbeitet. Ein Joint Venture zum Bau des Renault Logan platzte jedoch vor einigen Monaten wegen schlechter Verkaufszahlen. Seither führt Mahindra die Produktion alleine fort.

Helmut Hauschild
Helmut Hauschild
Handelsblatt / Korrespondent

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