Korruption beim Rüstungskonzern?: Polizei nimmt Finmeccanica-Chef fest

Korruption beim Rüstungskonzern?
Polizei nimmt Finmeccanica-Chef fest

Der Chef des italienischen Rüstungskonzerns Finmeccanica ist verhaftet. Giuseppe Orsi wird Bestechung und Unterschlagung vorgeworfen. Größter Aktionär des Konzerns ist der italienische Staat.
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RomEin neuer Korruptionsskandal erschüttert Italien: Die Polizei nahm den Chef des Rüstungskonzerns Finmeccanica wegen Verdachts auf Bestechung fest. Giuseppe Orsi sei im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen des Verkaufs von Helikoptern der Finmeccanica-Tochter AgustaWestland an die indische Regierung festgesetzt worden, verlautete am Dienstag aus Justizkreisen.

Im Wahlkampf rücken die Skandale, die die Geschäftswelt Italiens seit einiger Zeit erschüttern, immer stärker in den Vordergrund. In die Schlagzeilen rückten unlängst auch die Banca Monte dei Paschi wegen hoher Verluste durch Derivategeschäfte sowie Schmiergeld-Ermittlungen beim Öldienstleister Saipem.

Ministerpräsident Mario Monti kündigte an, die italienische Regierung werde sich umgehend mit den Führungsproblemen bei Finmeccanica auseinandersetzen. Der Konzern, der mit rund 70.000 Mitarbeitern nach Fiat zweitgrößter Arbeitgeber des Landes ist, gehört zu etwa 30 Prozent dem italienischen Staat. In Italien wird am 24. und 25. Februar ein neues Parlament gewählt.

Der Verwaltungsrat des Rüstungskonzerns will am Mittwoch zusammenkommen. Bei dem Treffen solle es darum gehen, die Auswirkungen der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft auf die laufenden Geschäfte zu begrenzen, teilte das italienische Unternehmen am Dienstagabend mit. Die Versammlung sei für 18.00 Uhr MEZ anberaumt worden.
In knappen Stellungnahmen stellten sich Finmeccanica wie auch AgustaWestland an die Seite des Chefs und drückten die Hoffnung aus, dass dessen rechtliche Position so schnell wie möglich klargestellt werde. Der Eurocopter -Konkurrent versicherte, das Geschäft werde normal weitergeführt. Unternehmenskreisen zufolge wird erwogen, Finanzchef Alessandro Pansa vorübergehend weitere Aufgaben zu übertragen.

Die Aktie von Finmeccanica brach am Dienstag um mehr als acht Prozent ein. Die italienische Börsenaufsicht untersagte für Dienstag und Mittwoch Leerverkäufe von Aktien des Unternehmens. Dies soll verhindern, dass Hedgefonds auf einen weiteren Kursverfall setzen und damit die Aktie noch stärker unter Druck gerät.

Aus Indiens Verteidigungsministerium verlautete, man prüfe die Zahlung von Schmiergeldern in Höhe von 40 Millionen Rupien (umgerechnet 555.000 Euro) im Zusammenhang mit dem Kauf von einem Dutzend Hubschraubern. Man werde gegen Finmeccanica vorgehen, sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten. Dies könne das Ende des 560 Millionen Euro schweren Geschäfts bedeuten. Dies dürfte Finmeccanica empfindlich treffen, denn Indien wird angesichts zusammengestrichener Verteidigungsetats in den USA und Europa als Kunde für Rüstungskonzerne immer wichtiger. Bereits jetzt ist Indien der weltgrößte Waffenimporteur.

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