Korruption und Schlägereien
Evonik erlebt in China ein Desaster

„Wir haben einen Saustall entdeckt, den wir nun so schnell wie möglich ausmisten“, sagt Evonik-Chef Klaus Engel über das China-Joint-Venture seines Konzerns. Der Spezialchemie-Konzern sucht nun ein Ende mit Schrecken.
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DüsseldorfEigentlich will Klaus Engel, der Evonik-Chef, vor allem eines: stabile Erträge und gute Nachrichten. Noch im ersten Halbjahr soll der Mischkonzern an die Börse gehen. Bis zu 15 Milliarden Euro könnte das Unternehmen, das wohl auf Anhieb den Sprung in den Dax schaffen würde, danach wert sein – wenn alles gutgeht.

Die Zahlen zumindest sind gut: 2011 stieg der Umsatz um neun Prozent auf 14,5 Milliarden Euro, der Konzerngewinn um 38 Prozent auf eine Milliarde Euro. Engel sprach vom besten Jahr aller Zeiten und sagte: „Evonik ist auf Kurs und blickt mit großer Zuversicht in die Zukunft.“

Dennoch plagen Engel Sorgen. Grund dafür ist der Entwurf eines Berichts der internen Revision, der dem Evonik-Vorstand vorliegt. Vorausgegangen war eine Untersuchung, die vor über einem Jahr begann – und über die Chief Compliance Officer Jörg Hoffmann sagt: „Das waren die härtesten Ermittlungen meines Berufslebens.“

Das Papier beschäftigt sich mit einem Joint Venture von Evonik in China. Darin ist viel von „Bilanzmanipulation“, von „Betrug“ und von „unerklärlichen Zahlungen“ sowie von „Geschenken“ die Rede. Es geht – auch – um Korruption, und Engel gibt unumwunden zu: „Wir haben einen Saustall entdeckt, den wir nun so schnell wie möglich ausmisten.“

Der Fall reicht zurück ins Jahr 2005. Der damals selbstständige Chemiekonzern Degussa, heute ist er Teil von Evonik, verlor Marktanteile im Geschäft mit Cyanurchlorid. Die Chemikalie wird unter anderem für die Herstellung von Pestiziden benötigt. Aus Kostengründen wollte Degussa eine Produktion in China aufbauen und schloss deshalb ein Joint Venture mit dem chinesischen Geschäftsmann Liu Z. in Nordchina. Die Investition betrug 27 Millionen Euro.

Was die Deutschen nicht wussten: Ihr neues Unternehmen, Evonik Sanzheng Fine Chemicals Company Ltd., war marode. „Die Bilanzen wurden manipuliert“, hieß es schon 2003 in einem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG über den chinesischen Teil des späteren Joint Ventures. Wichtige Sicherheitsvorkehrungen und behördliche Betriebsgenehmigungen fehlten. „Die Firma war technisch insolvent“, schrieb KPMG.

Das aber war laut einem Konzernsprecher noch nicht das eigentliche Problem – die Degussa wollte das Geschäft sanieren und ausbauen. Der Ruf des Partners sei zudem exzellent gewesen. Dachten die Degussa-Manager.

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  • Ich halte es für ein gutes Zeichen, dass sich ein Grosskonzern diesem Netz aus Korruption und Vetternwirtschaft verweigerte und lieber das Geschäft scheitern ließ als seinen ohne Zweifel gutn Ruf zu riskieren.

  • Die kapitalistisch-antikommunistische Gesellschaftsordnung der Korruption und Vetternwirtschaft in der bourgeoissozialistischen Volksrepublik des internationalen Finanz- und Monopolkapitals, bedient auch die Söhne und Töchter der Hof- und Konvergenzpartei; zu 80 Prozent handelt es sich bei den neuen chinesischen Reichen, - Privateigentümern und Großaktionären -, um die Kinder der antisozialistischen Parteigarnitur des Kapitalismus und Imperialismus - internationaler und chinesischer - Prägung! Der Staats- und Parteiapparat ist ein -internationaler- Guanxi-Apparat der Selbstbedienung, ein System zur Plünderung und Ausbeutung der werktätigen städtischen Arbeiter, Wanderarbeiter und Bauern Chinas!

  • Es wird wohl wie in jedem Unternehmen sein, die "kleinen" Mitarbeiter haben bestimmt seit Jahren gesagt, das funktioniert so nicht und oben wollt es keiner hören! China ist sicher einen Versuch wert, es gibt ja auch "Erfolgsgeeschichten" aber langfristig wird diese Geldgeilheit und der Zwang jedes Jahr mehr zu machen einfach nicht funktionieren> nicht in Deutschland und nicht in China. Die Chinesen sagen was in voller Blüte steht ist dem Untergang geweiht. Unsere Blüten welken!

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