Korruptions-Vorwürfe gegen Formel 1-Chef: Ecclestone bringt Mercedes ins Schleudern

Korruptions-Vorwürfe gegen Formel 1-ChefEcclestone bringt Mercedes ins Schleudern

Die Bestechungsvorwürfe gegen Bernie Ecclestone bringen Daimler in Not. Nach seinen eigenen Statuten darf der Konzern eigentlich keine Geschäfte mit korrupten Personen machen. Droht nun der Ausstieg aus der Formel 1?
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Frankfurt/DüsseldorfDas Geständnis war eindeutig: "Ich habe mich bestechen lassen", sagte der ehemalige BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky vergangene Woche vor dem Landgericht München - und belastet damit den Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone. 44 Millionen US-Dollar soll Ecclestone an Gribkowsky gezahlt haben, damit dieser die Formel-1-Anteile günstig an einen Finanzinvestor, der Ecclestone genehm war, verkaufte. Der Geschädigte war die Landesbank.

Die Folgen könnten weitreichend sein - auch für einen an den Schmiergeldzahlungen unbeteiligten Dritten: den Autokonzern Daimler.

In der Stuttgarter Zentrale herrscht helle Aufregung, so berichten Manager dem Handelsblatt. "Die Prüfung der Geschäftsbeziehung zu Ecclestone steht auf der Agenda der Compliance-Abteilung. Da jeder Generalvertreter weltweit auf Herz und Nieren geprüft wird, ist auch diese Überprüfung nur folgerichtig", so ein mit den Vorgängen Vertrauter.

Für Vorstandsmitglied Thomas Weber, als Forschungsvorstand auch zuständig für das Formel-1-Engagement, ist eine unkomfortable Lage entstanden. Denn sollte gegen Ecclestone wegen Bestechung Anklage erhoben werden, müsste sich Daimler nach Ansicht von Rechtsexperten aus dem Formel-1-Geschäft zurückziehen.

In den strengen konzerneigenen Regeln für gute Unternehmensführung heißt es: "Daimler duldet keine unmoralischen oder korrupten Praktiken durch Mitarbeiter oder seitens der Geschäftspartner." Die Zahlung von rund 44 Millionen US-Dollar Bestechungsgeld dürfte eindeutig darunter fallen, sagen Experten wie Laurenz Schmitt, Partner bei der Anwaltskanzlei Linklaters: "Eine solche Situation ist prekär."

Offiziell gibt sich Daimler wortkarg. "Wir gehen Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten in unserem Verantwortungsbereich umgehend nach", lautet der Kommentar einer Konzernsprecherin.

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  • Daimler sollte aus der F1 aussteigen. Aber nicht wegen dieses lächerlichen Compliance Themas, sondern weil der Rennzirkus nicht mehr zum modernen Image passt. Compliance ist total überbewertet. Sonst dürften die ja auch keine Geschäfte mehr mit Siemens machen, da die ja auch mal geschmiert haben! Und an die CDU keine Spendengelder mehr überweisen, weil Kohl ja auch schwarze Kassen hatte.

  • Welchen wirtschaftlichen Vorteil zieht denn Mercedes aus der Teilnahme in der F1? BMW geht es besser als Mercedes. Mercedes verbrennt doch nur das Geld der Aktionäre. Und wäre es nicht besser, die würden die Manpower in der Produktion für normale Autos einsetzen? Und nur nebenbei gesagt, Mercedes kommt für nicht nicht mehr in Frage. Diese verdammte Feststellbremse passt nicht zu mir.
    Ich hatte auch erwähnt, dass die F 1 nicht mehr das ist was die einmal war. Ich habe viele Rennen besucht, Hockenheim, Nürburgring, Monte Carlo, Monza und zuletzt Sepang vor 3 Jahren. Ich werde kein Rennen mehr besuchen.

  • Ich für meinen Teil könnte nicht mehr Daimler Produkte kaufen oder für Daimler arbeiten wenn sie ihren eigenen Prinzipien nicht treu bleiben. Wer seine Prinzipien verrät, verrät sich selbst oder in dem Fall die Marke!

    Daimler sollte diese Saison zu Ende bringen und dann aussteigen. Sie haben das neue Concorde-Aggrement das für 2013 gilt als einzige nicht unterschrieben bislang. Ein Ausstieg würde, wenn man von der V6-Turbo-Entwicklung absieht, nichts kosten. Sofern sie ihr Team in England weiter beschäftigen. Das könnte man indem man ab 2014 in die Langstrecken-WM einsteigt und da weiter macht wo man 1991 aufgehört hat, nämlich Sportwagen-Prototypen bauen. 2014 gilt dort auch ein neues Reglement und man könnte direkt auf hohem Niveau mitfahren. Zudem sind die Kosten geringer als in der F1 und der Nutzen für die Strassenfahrzeuge ist weit höher.

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