Korruptionsaffäre Airbus räumt „Unregelmäßigkeiten“ ein

Wegen Anträgen auf Rüstungs-Exportlizenzen in den USA steht der Flugzeugbauer Airbus unter Korruptionsverdacht. Finanzchef Wilhelm setzt trotzdem auf 'business as usual' – und die Aktie steigt auf ein Rekordhoch.
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Der Flugzeugbauer setzt große Hoffnungen auf das neue Modell. Quelle: Reuters
Airbus A330neo

Der Flugzeugbauer setzt große Hoffnungen auf das neue Modell.

(Foto: Reuters)

München/ParisDie Korruptionsaffäre beim europäischen Flugzeugbauer Airbus hat die USA erreicht. Der französisch-deutsche Konzern räumte zum ersten Mal „Unregelmäßigkeiten“ in Anträgen auf Rüstungs-Exportlizenzen in den USA ein, die den Einsatz von Vermittlern und Provisionen betreffen. „Es geht um unzureichende Meldungen“ nach dem Regelwerk zum internationalen Waffenhandel (ITAR), nicht etwa um die Rüstungsexporte selbst, sagte Finanzchef Harald Wilhelm am Dienstag. Das Geschäft in den USA sei nicht beeinträchtigt. „Wir machen 'business as usual'.“ Mittelsmänner und verdeckte Zahlungen stehen auch im Zentrum der Ermittlungen der Strafverfolger unter anderem in Großbritannien und Frankreich. Eine Verbindung zu dem Fall in den USA gebe es aber nichts zu tun, sagte Wilhelm in Toulouse.

Airbus warnte erneut, dass die Affäre schwere finanzielle Konsequenzen haben könne. Rückstellungen hat der Flugzeugbauer dafür aber nicht gebildet, weil sich die Größenordnung bisher nicht abschätzen lasse. Bis die Angelegenheit ausgestanden sei, wird es laut Wilhelm „eher Jahre als Monate“ dauern. Airbus-Chef Tom Enders steht intern unter Druck, seit er sich an die Spitze der Aufklärer gestellt hat.

Ein Blick in den Hoffnungsträger von Airbus
Alles neu bei Airbus
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Die Neuauflage des A330 soll weniger verbrauchen und Passagieren mehr Platz bieten. Dafür bekommt der A330 den Beinamen "neo", was für new engine option steht.

Lange Flügel
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Mit 64 Metern Spannweite sind die Flügel des A330 neo länger als beim Vorgänger. Am Ende der Produktion werden die geschwungenen Spitzen, so genannte Sharklets aufgesetzt, die den Verbrauch senken.

Doppelter Antrieb
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Die zwei Triebwerke Trent 7000 von Rolls-Royce sollen den Kerosinverbrauch um 14 Prozent senken - und deutlich ruhiger arbeiten als im Vorgängermodell.

Verzögerungen inklusive
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Allerdings sollen Lieferschwierigkeiten bei den Triebwerken auch dafür gesorgt haben, dass sich die erste Auslieferung des A330 neo um mehrere Monate verzögerte.

Weniger Widerstand
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Auf den ersten Blick nicht sichtbar, aber auch die Aerodynamik sei beim Nachfolger mit 3D-Simulationen deutlich verbessert worden, wirbt der Airbus. Das war auch nötig: der Vorgänger ist mittlerweile 20 Jahre alt.

Deutsch-französische Zusammenarbeit
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Der Rumpf für den A330 neo wird in Hamburg gebaut - und per Beluga-Transportflugzeug nach Toulouse transportiert. Die Flügel kommen aus Bremen.

Mehr Platz für Passagiere
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Die Kabine soll nicht nur ruhiger, sondern auch größer sein als im Vorgänger. Das bietet Platz für zehn Passagiere mehr, im Schnitt für 257 Passagiere. Bei Bedarf können sogar bis zu 400 Passagiere mitfliegen.

Auch im operativen Geschäft läuft es nicht rund. Probleme mit den Triebwerken vom US-Zulieferer Pratt & Whitney verzögern die Auslieferungen des Kurzstreckenflugzeugs A320neo. Airbus werde die Zahl von 200 Auslieferungen „leicht“ verfehlen, die man sich für 2017 vorgenommen habe, sagte Wilhelm. Bis Ende September sind erst 90 bei 19 Kunden gelandet. Für das Ziel, insgesamt 700 Airbus-Verkehrsmaschine in diesem Jahr an die Fluggesellschaften zu übergehen, gab sich der Finanzvorstand aber zuversichtlich - wenn die Triebwerke rechtzeitig kämen. Ein Fragezeichen stehe nur hinter dem inoffiziellen Ziel von 720. In jedem Fall bliebe Airbus damit hinter dem Rivalen Boeing zurück. In den ersten neun Monaten lieferte Airbus 454 Flugzeuge aus.

Airbus braucht damit einen kräftigen Endspurt, um die Ziele zu erreichen. „Wir wissen, was wir tun müssen“, sagte Wilhelm. „Wir sind voll im Plan.“ Bis Ende September hinkt der bereinigte Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) mit 1,8 Milliarden Euro noch 25 Prozent hinter dem Vorjahreswert her. Bis Ende Dezember sollen daraus mehr als vier Milliarden Euro werden, rund fünf Prozent mehr als 2016 (3,95 Milliarden). Auch der Nettogewinn soll in dieser Größenordnung zulegen.

In den ersten neun Monaten hielt Airbus ihn dank des Erlöses von 604 Millionen Euro aus dem Verkauf der Rüstungselektronik-Sparte mit 1,85 (1,81) Milliarden Euro stabil. Der Umsatz stieg bis Ende September leicht auf 43,0 (42,7) Milliarden Euro und traf damit ebenso wie das operative Ergebnis die Erwartung von Analysten. Die Zuversicht für den Jahres-Endspurt steckte auch die Börsianer an. Die am Vortag noch schlecht gelaufene Airbus-Aktie stieg an der Pariser Börse um mehr als vier Prozent auf ein Rekordhoch von 88,31 Euro.

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