Korruptionsaffäre
Anklage: Siemens-Spitze wusste nichts von Schmiergeld

Ein Geflecht von Tarnfirmen, ein System schwarzer Kassen und Scheinberaterverträge – die Anklageschrift der Münchener Staatsanwaltschaft gegen einen ehemaligen Manager des Siemens-Telekommunikationssegments Com hat es in sich. Die Siemens-Führungsspitze wusste laut Anklage aber nichts von alle dem.

HB MÜNCHEN. Der nun wegen Untreue angeklagte Com-Manager habe ein bestehendes Schmiergeldsystem Ende der 1990er Jahre übernommen und zusammen mit wenigen Kollegen und mit Wissen seines Chefs weiterentwickelt, geht aus der am Donnerstag bekanntgewordenen Anklageschrift der Münchener Staatsanwaltschaft hervor. Sein Vorgesetzter, der kaufmännische Bereichsvorstand, habe dafür gesorgt, dass weder der Segmentchef noch der Zentralvorstand von den Bestechungsmechanismen erfuhren.

Nachdem der Konzern 1998, als die Bestechung im Ausland strafbar wurde, seine Manager per Unterschrift zur Einhaltung der Gesetze verpflichtete, hätten der Beschuldigte und seine Komplizen das System lediglich noch stärker verschleiert. Drei Kollegen hätten im Rechnungswesen und in der Revision dafür gesorgt, dass Scheinrechnungen, Überweisungen und Bargeldzahlungen nicht aufflogen.

Der Angeklagte habe mit einem zweiten Haupttäter ein Geflecht von Tarnfirmen im Mittleren Osten, den Kanalinseln und der Karibik aufgezogen, hieß es in dem Dokument weiter. Über ein verzweigtes System von schwarzen Kassen und Scheinberaterverträgen seien dann Millionenbeträge im Zusammenhang mit Telekommunikationsprojekten unter anderem in Ägypten, Saudi-Arabien, Indonesien, Vietnam und den Olympischen Spielen in Athen geflossen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem mutmaßlichen Täter vor, in 58 Fällen Siemens illegal um rund 24,8 Mill. Euro gebracht zu haben. Ihm sei bewusst gewesen, dass der Konzern das Gebaren der Gruppe nicht toleriert hätte und er lediglich von seinem direkten Chef geschützt worden sei. Das Volumen der Schwarzen Kassen bei Com war der Anklageschrift zufolge allerdings weitaus größer. Auf ein verdecktes Konto in Salzburg seien jährlich 100 bis 200 Mill. DM geflossen, auf ein weiteres in Innsbruck mindestens 20 Mill. DM.

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