Korruptionsaffäre bei Siemens
Image ist ramponierter als das Geschäft

Immer neue Schlagzeilen erschüttern den im Korruptionsdickicht steckenden Siemens-Konzerns. Aktionärsverbände haben Aufsichtsratsschef Heinrich von Pierer bereits den Rücktritt nahe gelegt. Für das Geschäft des Dax-Schwergewichts sieht die Börse derweil aber kaum Folgen.

HB MÜNCHEN. Am Tag nach der Verhaftung des ehemaligen Konzernvorstands Thomas Ganswindt blieb der Aktienkurs des Konzerns stabil. „Aus Investorensicht ist das weit weniger ein Thema als in der Öffentlichkeit“, erklärte der Analyst Michael Bahlmann vom Bankhaus MM Warburg. „Wenn nicht noch deutlich mehr hochkommt, hält sich der finanzielle Schaden im Rahmen.“ Das Image von Siemens habe gelitten, auch im Ausland, sagte Bahlmann.

Ganswindt, der auch als möglicher Konzernchef gehandelt worden war, „ist eine andere Nummer als die Bereichsmanager“. Aber die Auswirkung des Korruptionsfalls auf Umsatz und Ergebnis fielen angesichts der Größe des Konzerns nicht sehr ins Gewicht. „Solche Zahlungen hat es auch in vielen anderen Unternehmen gegeben. Man muss das nicht verniedlichen - aber das ist kein Bilanzskandal oder ähnliches, der das Geschäft von Siemens nachhaltig beeinflussen würde.“ Neben der Steuernachzahlung von 168 Millionen Euro sowie möglichen Strafen und Schadenersatzforderungen könnten auf Siemens weitere Probleme zukommen: In Teilen Asiens und anderen Regionen vergebe die öffentliche Hand große Projekte oft nur „mit Hilfe von bestimmten Zahlungen“, sagte Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck.

Notwendige Konsequenzen gezogen

„Weil Siemens besonders unter der Lupe der Öffentlichkeit ist, könnte es sein, dass einige Aufträge an die Konkurrenz gehen.“ Das müsse aber nicht schlecht sein, denn die Gewinnmarge sei bei vielen öffentlichen Aufträgen schlecht.

Bahlmann sagte mit Blick auf die zu erwartenden schärferen Anti-Korruptions-Regeln bei Siemens: „Ich weiß nicht, ob man das durch günstigere Konditionen kompensieren muss.“ Schmiergeld solle leider in weiten Teilen der Welt bei vielen Geschäften vorkommen.

Doch Siemens habe jetzt die notwendigen Konsequenzen gezogen: „Es hat etwas gedauert. Aber ich unterstelle dem Zentralvorstand absolut lauteres Verhalten“, sagte der Analyst. Kleinfeld sei nicht beschädigt, und auch einen Rücktritt von Pierer halte er für nicht angebracht.

Seite 1:

Image ist ramponierter als das Geschäft

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%