Korruptionsaffäre
Bei Siemens ist auch 2006 Geld geflossen

Auch in diesem Jahr sind nach Informationen einer Zeitung zig Millionen Euro bei Siemens in dunklen Kanälen verschwunden. Es ist wahrscheinlich, dass die Summen für Bestechungen verwendet worden sind. Doch woher stammt das Geld? Die Ermittler hegen den Verdacht, dass Siemens-Mitarbeiter noch in jüngster Zeit ein neues System schwarzer Kassen geschaffen haben.

HB MÜNCHEN. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ stießen Wirtschaftsprüfer auf fragwürdige Zahlungen in Höhe von 78 Mill. Euro. Die Überweisung von weiteren 22 Mill. sei gestoppt worden. Es bestehe ein „großes Risiko“, dass diese Vorgänge „als Bestechungspraktiken im Ausland“ einzuordnen seien.

Die Bilanzprüfer der Gesellschaft KPMG hätten seit dem Sommer 2006 gezielt nach verdächtigen Transfers gesucht und dabei die dubiose Zahlungen an 14 Firmen und Geschäftsleute in Europa, Asien und Afrika entdeckt. Mal seien Empfänger nicht genau erkennbar, mal die Dienstleistungen nicht festgelegt oder die Dauer der Verträge unbestimmt. Offene Zahlungen für solche Beraterverträge habe Siemens nach Vorlage des Prüfberichts im November gestoppt.

Die Gelder seien in der Summe von 420 Mill. Euro enthalten, die Vorstandschef Klaus Kleinfeld und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer vor einer Woche als verdächtige Zahlungen genannt hatten. Die Staatsanwaltschaft geht von 200 Mill. Euro aus, die in den vergangenen sieben Jahren als Schmiergelder geflossen sind.

Ein Siemens-Konzernsprecher erklärte, der Prüfbericht der KMPG datiere vom 9. November und sei am 16. November bei Siemens eingegangen, einen Tag nach der Großrazzia von Polizei und Staatsanwaltschaft. Siemens habe den Bericht dann den Ermittlern zur Verfügung gestellt.

Gibt es neue schwarze Kassen?

Die Fahnder gehen laut „Süddeutscher Zeitung“ inzwischen der Frage nach, ob Siemens-Manager als Ersatz für Schwarzgeldkonten in Liechtenstein und in der Schweiz, die seit Ende 2004 nach und nach aufgeflogen waren, anschließend ein neues System schwarzer Kassen geschaffen haben.

Im Auftrag von Siemens soll der Korruptionsexperte Michael Hershman die Affäre aufklären, die schwer am Image des deutschen Technologiekonzerns kratzt. „Die ganze Wahrheit wird ans Licht kommen und alle, die in die Affäre involviert sind, werden identifiziert“, sagte Hershman am Mittwoch in München. Siemens habe ihm Zugang zu allen notwendigen Unterlagen sowie Kooperation der Mitarbeiter zugesagt. „Es wird keine verschlossenen Türen geben“, sagte Hershman. Seine Untersuchungen würden jedoch etwas erschwert durch die Tatsache, dass viele Unterlagen bereits bei der Staatsanwaltschaft lägen. Er hoffe, in den nächsten Wochen erste Ergebnisse vorstellen zu können, fügte Hershman hinzu.

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