Korruptionsaffäre
Motorenhersteller Tognum entlässt Vorstand

Vorstandsmitglied Peter Kneipp soll gegen Unternehmens-Richtlinien verstoßen haben.
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FrankfurtDie mutmaßliche Korruptionsaffäre bei Tognum in Asien hat den Vorstand erreicht. Vorstandsmitglied Peter Kneipp, der bis 2010 sieben Jahre lang das Asien-Geschäft geleitet hatte, werde „in gegenseitigem Einvernehmen mit sofortiger Wirkung freigestellt“, teilte der Dieselmotorenhersteller am Freitag in Friedrichshafen mit. Bei MTU Asia habe es womöglich irreguläre Zahlungen gegeben. Welche Rolle Kneipp dabei gespielt hat, erklärte das Unternehmen nicht, verwies aber auf eine „Null-Toleranz-Politik“ im Hinblick auf Korruption und Bestechung. Erst in der vergangenen Woche hatte Joachim Coers, der neue Vorstandschef, von offenbaren Verstößen gegen die Unternehmens-Richtlinien im Vertrieb in Asien gesprochen und eine Untersuchung eingeleitet. 

Kneipp arbeitet seit 1989 für die heutige Tognum (früher MTU Friedrichshafen). Er war erst im Januar in den vierköpfigen Vorstand aufgerückt und ist dort für das operative Geschäft mit Motoren, Notstrom-Aggregaten und Blockheizkraftwerken zuständig. Seine Aufgaben übernimmt vorerst der Vorstandschef. 

Erkenntnisse aus einer internen, seit Februar laufenden Untersuchung seien bereits an die Staatsanwaltschaft in Ravensburg weitergeleitet worden, teilte Tognum mit. Damals habe das Unternehmen einen Hinweis auf Unregelmäßigkeiten bekommen. Um Verfehlungen künftig zu vermeiden, werde der Aufsichtsrat wenn nötig weitere Maßnahmen ergreifen, kündigte Tognum an. 

Vorstandschef Coers ist erst seit Anfang des Monats im Amt. Tognum war im Sommer mehrheitlich von seinem Großkunden Daimler und dem britischen Turbinenbauer Rolls-Royce übernommen worden. Der neue Aufsichtsrat, in dem beide vertreten sind, war in dieser Woche erstmals zusammengetreten. Der Stuttgarter Autokonzern dringt auf Aufklärung. Daimler hat nach mehreren Fällen von Untreue, Falschbilanzierung und Korruption selbst sein Kontrollsystem umgekrempelt und steht nach Strafzahlungen und Gewinnabschöpfungen für illegale Schmiergeldzahlungen im Ausland unter scharfer Beobachtung der US-Justizbehörden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Korruptionsaffäre: Motorenhersteller Tognum entlässt Vorstand"

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  • Mal sehen was bei Tognum noch alles herauskommt.
    Daimler scheint das Thema Compliance jetzt ja endlich wirklich Ernst zu nehmen...mal sehen wie lange.

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