Korruptionsaffäre
Nokia schreckt vor Siemens-Sumpf zurück

Bislang hat der Korruptionsskandal bei Siemens „nur“ das Image des Technologiekonzerns ramponiert. Jetzt belastet er auch das Geschäft: Nokia verschiebt das Joint-Venture bei den Telefonnetzen wegen der Affäre um schwarze Kassen. Denn gerade in jenem Bereich, den Siemens künftig gemeinsam mit den Finnen betreiben will, wurde offenbar am meisten geschmiert.

jojo/hst MÜNCHEN/STOCKHOLM. Am Donnerstag teilte Siemens-Partner Nokia mit, das geplante Gemeinschaftsunternehmen der beiden Konzerne werde erst im Laufe des ersten Quartals kommenden Jahres an den Start gehen. Ursprünglich wollten die Firmen ihr Geschäft mit Telefonnetzen – bei Siemens ist das die Sparte Com – bereits am 1. Januar zusammenlegen.

Damit hat die Affäre um schwarze Kassen zum ersten Mal Auswirkungen auf das laufende Geschäft von Siemens. Die Ausgliederung ist ein wichtiger Teil der Strategie von Vorstandschef Klaus Kleinfeld, sich auf ausgewählte Wachstumsbereiche zu konzentrieren; die Telekommunikation gehört nicht dazu.

Nokia wolle die Ergebnisse der momentan laufenden Untersuchungen im Zusammenhang mit der Schmiergeldaffäre von Siemens abwarten, ehe der Deal endgültig unter Dach und Fach gebracht werde, hieß es am Donnerstag in der Mitteilung. Ein Siemens-Sprecher sagte, dies sei eine „nachvollziehbare Haltung“. An dem Zusammenschluss an sich werde sich nichts ändern.

In München läuft derzeit ein Ermittlungsverfahren gegen ein Dutzend Beschuldigte, die vor allem aus der Kommunikationssparte von Siemens kommen. Sie sollen nach Angaben der Staatsanwälte 200 Mill. Euro für Schmiergelder abgezweigt haben. Siemens selbst geht von fragwürdigen Zahlungen in Höhe von 420 Mill. Euro aus.

Nokia will trotz der Vorwürfe gegen Siemens an dem Joint Venture festhalten. Eine Nokia-Sprecherin sagte, dass es eine „industrielle Logik“ der Zusammenlegung der beiden Sparten gebe. „Daran hat sich überhaupt nichts geändert“, sagte sie. Nokia wolle jetzt jedoch zunächst „verstehen, was in der Vergangenheit passiert ist, und dann zusehen, dass so etwas niemals mehr geschehen kann“. Für diesen Auswertungsprozess benötige man Zeit.

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