Korruptionsaffäre
Siemens-Chefs engagieren Top-Anwälte

In der Schmiergeld-Affäre des Siemens-Konzerns bereitet sich die Führungsspitze darauf vor, selbst ins Visier der Staatsanwaltschaft zu geraten. Deshalb hat sie sich des Beistands prominenter deutscher Strafverteidiger versichert, die bereits im Mannesmann-Prozess eine führende Rolle gespielt haben. Ein ehemaliger Kollege sitzt seit einem Tag in Haft.

HB/cha MÜNCHEN. Nach Informationen des Handelsblatts, die Anwaltskreise und mittlerweile auch Siemens bestätigten, hat Konzernchef Klaus Kleinfeld den Strafrechtler Klaus Volk gewonnen. Volk war im Mannesmann-Verfahren Verteidiger von Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann. Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer seinerseits wird offenbar von Sven Thomas beraten, der im Verfahren um die Millionenabfindungen bei Mannesmann den ehemaligen Konzernchef Klaus Esser vertreten hat.

Ein Sprecher des Konzerns bestätigte die Informationen am Mittwochmittag auf Anfrage, betonte aber, dass die Kontakte zu den Spitzen-Anwälten schon seit längerer Zeit bestünden. In Anwaltskreisen heißt es, auch Finanzchef Joe Kaeser habe sich hochrangigen Beistands versichert. Sein möglicher Verteidiger, Gunter Wiedemeyer, wollte nur einen losen Kontakt mit Siemens bestätigen. Bislang waren offiziell nur die Hausjuristen des Konzerns im Verfahren um die schwazren Kassen tätig.

Derzeit gibt es aber noch keinen Anhaltspunkt für Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen die Konzernspitze, deshalb gibt es auch offiziell noch keine Mandate für die Strafverteidiger. Doch vieles spricht dafür, dass die Konzernführung sich der dramatisch veränderten Situation in den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München bewusst ist. Seit Dienstag nämlich sitzt der ehemalige Zentralvorstand Thomas Ganswindt in Untersuchungshaft. Er ist von den Aussagen eines ebenfalls beschuldigten ehemaligen Siemens-Managers schwer belastet worden. Dieser Manager soll schwarze Kassen in der Schweiz, Österreich und Liechtenstein betreut haben.

Ganswindt soll schwarze Kassen gedeckt haben

Die Staatsanwaltschaft München geht bislang davon aus, dass ein Dutzend Verdächtige 200 Mill. Euro veruntreut, auf schwarzen Konten zwischengeparkt und im Ausland als Schmiergeld eingesetzt haben. Siemens selbst befürchtet sogar, dass bis zu 420 Mill. Euro in den vergangenen sieben Jahren abgeflossen sind. Im Zuge der Affäre hatten Ermittler vor vier Wochen auch das Büro von Vorstandschef Klaus Kleinfeld durchsucht.

In Justizkreisen heißt es nun, Ganswindt werde beschuldigt, das Netz der Kassen zwar nicht en detail gekannt, aber seine „schützende Hand“ über das System gebreitet zu haben. Nach Ansicht aus Verteidigerkreisen geht es der Staatsanwaltschaft nun darum, das ganze Netz der Mitwisserschaft bei Siemens zu klären. Ganswindts Aussagen könnten daher zu einer Belastung für die oberste Führungsspitze werden.

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