Korruptionsaffäre
Siemens-Manager greift Ex-Vorstände an

Siemens rechnet mit seinem ehemaligen Management ab: Der Konzern will die Verstrickung der Führungsebene in der Korruptionsaffäre so schnell wie möglich klären. Dabei griff zum ersten Mal ein hochrangiger Manager auch das frühere Management unter dem langjährigen Vorstandschef Heinrich von Pierer an.

KÖLN. Der Münchener Siemens-Konzern verspricht, die Rolle des Top-Managements im Korruptionsskandal zügig aufzuklären. "Die großen Komplexe sind aus Unternehmenssicht abgearbeitet. Jetzt geht es darum, auch die Verantwortung der alten Führung zu klären", sagte Andreas Pohlmann, Chief Compliance Officer von Siemens, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Aus Sicht des Juristen hat die einstige Unternehmensspitze in jedem Fall schwere Fehler gemacht. "Nach meiner Einschätzung waren auch frühere Vorstände entweder aktiv, initiativ am Korruptionsskandal beteiligt oder sie haben die Sache übersehen, dann liegt eine Aufsichtsverletzung auf der Hand."

Damit greift zum ersten Mal ein hochrangiger Siemens-Manager die frühere Führung unter dem langjährigen Vorstandschef Heinrich von Pierer frontal an. Der Franke, der nach seiner aktiven Zeit an der Spitze bis April 2007 dem Aufsichtsrat vorstand, hat bislang immer beteuert, von der Korruptionspraxis nichts gewusst zu haben.

Gleichzeitig müssen sich ehemalige Manager auf hohe Schadenersatzansprüche des Konzerns einstellen. "Natürlich wollen wir Schadenersatz für den Schaden bekommen, der uns entstanden ist. Das können im Einzelfall Beträge im Millionenbereich sein", so Pohlmann. Bereits Anfang des Jahres hatte Siemens Mahnbescheide an eine Reihe von früheren sowie heute noch aktive Beschäftigte verschickt. Sie sollen jeweils eine Mill. Euro zahlen. Dem könnten künftig zum Teil noch wesentlich höhere Forderungen folgen, betonte der für die Korruptionsbekämpfung in dem Konzern verantwortliche Manager.

Heinrich von Pierer ist bereits vor einem Jahr als Aufsichtsratschef zurück getreten, sein Nachfolger Klaus Kleinfeld gab im Zuge der Affäre vergangenen Sommer auf und wechselte zum amerikanischen Aluminiumkonzern Alcoa. Siemens wird seit anderthalb Jahren von einem Korruptionsskandal erschüttert. Dabei sollen Siemens-Mitarbeiter schwarze Kassen gebildet und ausländische Geschäftspartner oder Amtsträger bestochen haben, um Aufträge zu bekommen. Seit Ende 2006 lässt Siemens die Affäre intern aufarbeiten, gleichzeitig ermitteln die Staatsanwaltschaften in verschiedenen Ländern.

Ende Mai beginnt in München zudem der erste Prozess im Zusammenhang mit der Affäre. Zwei weitere Verfahren könnten nach Angaben aus Justizkreisen bald folgen. Insgesamt sind bei Siemens in den vergangenen Jahren 1,3 Mrd. Euro in dunklen Kanälen verschwunden und vermutlich größtenteils im Ausland als Schmiergeld eingesetzt worden. Die Dimension ist auch für die in Wirtschaftsstrafsachen erfahrene Staatsanwaltschaft in München außergewöhnlich. "Das ist ein absoluter Ausnahmefall", so Oberstaatsanwalt Anton Winkler von der Staatsanwaltschaft München I.

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