Korruptionsaffäre
Siemens-Manager in Untersuchungshaft

BenQ, Gehaltserhöhung-Debatte, Korruptionsvorwürfe: Für Siemens kommt es derzeit knüppeldick. Nach der Großrazzia bei Siemens hat die Staatsanwaltschaft einen Bereichsvorstand des Unternehmens sowie und vier weitere Verdächtige verhaftet. Die Dimension der möglichen Schmiergeldaffäre-Affäre ist noch nicht klar. Doch schon jetzt muss der Konzern um sein Image fürchten.

MÜNCHEN. Nach der Vorlage einer guten Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr war die Kritik zuletzt etwas abgeflaut. Doch nun sorgt eine mögliche Schmiergeldaffäre für gehörige Unruhe in der Konzernzentrale am Wittelsbacher Platz im Herzen Münchens. Es bestehe der Verdacht, dass Gelder in Höhe von rund 20 Mill. Euro veruntreut worden seien, teilte der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld am Donnerstag in München mit: „Ob und in welchem Umfang diese Gelder zu Schmiergeldzahlungen verwendet wurden, wird noch zu prüfen sein.“

Der Verdacht richtet sich gegen insgesamt zwölf Personen. Einer der Betroffenen ist nach Angaben aus Industriekreisen ein aktiver Siemens-Bereichsvorstand, der bis vor kurzem als Finanzvorstand für den Bereich Com tätig war und innerhalb des Konzerns wechselte. Er soll noch in Untersuchungshaft sein.

Im Umfeld von Siemens sprach man von einem „außergewöhnlich schwer wiegenden Vorgang“. Gerade die Leitenden Angestellten müssten strengen Verhaltensrichtlinien folgen, auf die sie regelmäßig verpflichtet würden. Dabei sei völlig unklar, ob es sich bei den betreffenden Summen um Bestechungsgelder oder um Unterschlagungen handele. Aus Mitarbeiterkreisen verlautete, es sei undenkbar, dass solche Vorgänge ohne Wissen des Konzernvorstands stattfänden.

Am Mittwoch hatten im Zusammenhang mit den Untreuevorwürfen mehr als 270 Polizeibeamte, Staatsanwälte und Steuerfahnder in einer groß angelegten Razzia die Konzernzentrale in München und etwa 30 weitere Standorte in Deutschland und Österreich durchsucht. Die Ermittlungen richteten sich gegen zehn teils aktive, teils ehemalige Siemens-Mitarbeiter sowie zwei weitere Personen aus deren Umfeld, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Drei Beschuldigte hätten umfassende Angaben zu den Vorwürfen gemacht, der Tatverdacht habe sich dadurch erhärtet.

Geld ins Ausland beseite geschafft

Siemens wollte die neue Entwicklung unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht näher kommentieren. Der Konzern hat angekündigt, die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen zu unterstützen. Die Behörde erklärte, der Konzern verhalte sich kooperativ. Die Staatsanwaltschaft hat unterdessen mit der Sichtung der sichergestellten Unterlagen begonnen. Deren Auswertung werde längere Zeit in Anspruch nehmen, hieß es. Bei den Ermittlungen geht es um Unregelmäßigkeiten in der Siemens-Festnetzsparte Com, die derzeit aufgelöst wird. Betroffen ist vor allem der Bereich Enterprise Networks und damit genau die Sparte, für die Siemens zuletzt vergeblich einen Käufer gesucht hat.

Die Beschuldigten sollen das Geld ins Ausland beseite geschafft haben. Die Ermittlungen gehen laut Staatsanwaltschaft München I auf eine anonyme Anzeige und Rechtshilfeersuche aus der Schweiz und Italien zurück. Das Geld soll von 2002 bis heute über Offshore-Gesellschaften und Tarnfirmen und deren Konten in der Schweiz und Liechtenstein aus dem Konzern geschleust worden sein. Demnach handelte es sich um ein kriminelles Netz innerhalb des Konzerns. Dem Vernehmen nach sollte das Geld für Geschäfte in Griechenland eingesetzt werden.

Für Siemens und seinen in der Kritik stehenden Vorstandschef Klaus Kleinfeld kommen die Ermittlungen zur Unzeit. Kleinfeld verantwortet einen grundlegenden Konzernumbau, der Tausenden von Mitarbeitern auch Gehaltseinbußen abverlangt. Kürzlich wurde bekannt, dass dem Vorstand eine deftige Gehaltserhöhung winkt, hinzu kam die Pleite der früheren Siemens-Tochter BenQ, von der gut 3 000 ehemalige Siemens-Kollegen betroffen sind.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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