Korruptionsaffäre
Staatsanwälte lassen Siemensianer frei

Weihnachten steht vor der Tür und da zeigt sich auch die bayrische Justiz gnädig: Sie hat alle in der Schmiergeldaffäre beim Technologiekonzern Siemens beschuldigten ehemaligen und noch tätigen Mitarbeiter auf freien Fuß gesetzt. Das heißt aber keineswegs, dass der Verdacht der millionenschweren Untreue und Bestechung ausgeräumt ist. Im Gegenteil.

HB/cha WUPPERTAL/HAMBURG. Die Münchener Staatsanwaltschaft hat die Vernehmung von Zeugen und Beschuldigten zunächst abgeschlossen. Der Tatverdacht der Untreue zu Lasten von Siemens durch ein System schwarzer Kassen habe sich erhärtet, sagte Staatsanwalt Anton Winkler am Freitag in München. Die Ermittlungen dauerten an. In den kommenden Wochen gehe es nun darum, die Aussagen und sichergestellten Unterlagen auszuwerten.

Die Haftbefehle gegen alle Beschuldigten seien gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden, ergänzte Winkler. Es befinde sich damit niemand mehr in Haft; zuletzt waren von den 12 Verdächtigen noch 5 in Haft gewesen. Damit bestätigten sich Informationen des Handelsblatts, wonach auch der prominenteste Beschuldigte, Ex-Zentralvorstand Thomas Ganswindt, auf freien Fuß gesetzt wird. Er musste gut eine Woche in Haft verbringen.

Lob an die Beschuldigten

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ein Dutzend Personen, die bei Siemens 200 Mill. Euro veruntreut, auf Auslandskonten verschoben und als Schmiergeld eingesetzt haben sollen. Der Münchener Konzern hat externe Prüfer beauftragt, die Anti-Korruptionsmechanismen im Unternehmen zu überprüfen. Sie nehmen zweifelhafte Zahlungen von über 420 Mill. Euro unter die Lupe.

Die Entlasswelle kommt nicht überraschend, haben in den vergangenen Tagen die Verdächtigen doch reihenweise ausgesagt – offensichtlich, um Weihnachten mit ihrer Familie feiern zu können. So räumte Ganswindt ein, schon vor zwei Jahren von illegalen Provisionszahlungen erfahren zu haben. Das ganze Ausmaß sei ihm aber nicht bekannt gewesen. Die Staatsanwaltschaft lobte am Freitag dann auch, Siemens sowie alle Beschuldigten hätten Kooperationsbereitschaft gezeigt und dies auch für die Zukunft signalisiert.

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