Korruptionsaffäre
Staatsanwaltschaft lässt zwei Siemens-Manager frei

In der Korruptionsaffäre beim Technik-Konzern Siemens hat die Staatsanwaltschaft kurz vor Weihnachten ein Signal gesetzt. Nach Informationen des Handelsblatts sind in den vergangenen Stunden zwei der sechs in Untersuchungshaft sitzenden Verdächtigen nach umfangreichen Aussagen wieder auf freiem Fuß.

cha MÜNCHEN. Einer der beiden ist Michael Kutschenreuter, der als ehemaliger kaufmännischer Vorstand des Bereichs als eine der Schlüsselfiguren gilt. Ebenfalls entlassen ist ein Manager, der Zugang zu einigen der Konten gehabt haben soll, die Teil des Systems schwarzer Kassen gewesen sind.

In den vergangenen Tagen hatten Kutschenreuter und der Beschuldigte J. mehrfach ausgesagt und sich dabei ausführlich zu den Beschuldigungen der Staatsanwaltschaft geäußert. Kutschenreuter hatte dabei wie der bereits seit längerem auf freiem Fuß befindliche Mitbeschuldigte Reinhard S. Hinweise darauf gegeben, dass die Konzernspitze zumindest teilweise Kenntnis von illegalen Provisionszahlungen hatte.

Nach Informationen des Handelsblatts aus Justizkreisen verfolgt die Staatsanwaltschaft den Vorwurf der Bandenbildung, den sie zu Beginn ihrer Ermittlungen gegen die Beschuldigten erhoben hatte, nicht mehr intensiv. Vielmehr gehe man davon aus, dass es sich bei den Provisionszahlungen über verdeckte Konten um eine seit langem übliche Praxis im Bereich Com gehandelt habe. Für die Beschuldigten wäre das eine große Entlastung, Mitglieder einer Bande hätten im Fall einer Verurteilung mit einem erheblich höheren Strafmaß zu rechnen. Die Spitze des Konzerns beruft sich dagegen bis heute darauf, dass sie von einer überschaubaren Gruppe von Managern des Bereichs Com hintergangen worden sei.

Nach Informationen des Handelsblatts hat auch der bislang prominenteste der Beschuldigten, der ehemalige Zentralvorstand Thomas Ganswindt, am Mittwoch in der U-Haft ausführlich ausgesagt. Er hatte bereits kurz nach seiner Inhaftierung erklärt, Ende 2004 von den Provisionszahlungen Kenntnis erhalten zu haben, ohne vom dahinter stehenden System zu wissen.

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