Korruptionsskandal bei Siemens
Heinrich von Pierer gerät in die Schusslinie

Führende Experten für gute Unternehmensführung (Corporate Governance) fordern Heinrich von Pierer auf, seinen Posten als Siemens-Aufsichtsratschef niederzulegen. Denn von Pierer könnte im Korruptionsskandal in Interessenkonflikte geraten. Das weltweite System von schwarzen Kassen wurde in einer Zeit aufgebaut, in der er Vorstandschef von Siemens war.

DÜSSELDORF. „Herr von Pierer ist an der Spitze des Aufsichtsrates nicht mehr haltbar, und das müsste er selbst auch erkennen“, sagt Manuel Theisen, Professor für Betriebswirtschaft an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität und Herausgeber des Fachblatts „Der Aufsichtsrat“.

Auch Alexander Bassen, Wirtschaftsprofessor in Hamburg und Experte für Corporate Governance, sieht von Pierer im Zwielicht. Den aus dem Korruptionsskandal resultierenden Schaden für Siemens beziffert die Münchener Staatsanwaltschaft auf 200 Mill. Euro. Von Pierer wechselte erst 2005 vom Vorstand in den Aufsichtsrat.

„Es besteht die Gefahr, dass Herr von Pierer in dieser Sache nicht so recherchiert, wie es vielleicht ein anderer tun würde“, sagt Bassen. Beide Experten weisen darauf hin, dass die Regierungskommission zum Deutschen Corporate Governance Kodex empfiehlt, dass Vorstandschefs nach ihrer Amtszeit nicht die Führung des Aufsichtsrates übernehmen.

Die Gefahr, dass Aufsichtsräte ihre eigenen Vergehen verfolgen sollen, habe bei Siemens eine Konkretisierung erfahren. Insofern habe der Fall von Pierer eine über den Konzern hinausreichende Bedeutung, sagt Theisen. Gerhard Cromme, Vorsitzender der Regierungskommission, wollte sich zu dem Thema nicht äußern. Cromme sitzt ebenfalls im Siemens-Aufsichtsrat und ist zudem Leiter des Prüfungsausschusses, der mit der Aufklärung des Korruptionsfalls beauftragt ist.

Aber auch Cromme wechselte 2001 bei Thyssen-Krupp vom Vorstand in den Aufsichtsrat. Ein Siemens-Sprecher erklärte, Überlegungen von Pierers, sein Amt als Aufsichtsratschef während der Ermittlungen zum Schmiergeld-Skandal niederzulegen, seien nicht bekannt.

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