Korruptionsskandal
Ex-Siemens-Manager: Haben Schwarzgeldsystem nicht gekannt

Zwei frühere Siemens-Spitzenmanager haben eine Verwicklung in das System der schwarzen Kassen in der ehemaligen Telekommunikationssparte des Münchener Technologiekonzerns bestritten. Ex-Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger sagte nach Angaben der Staatsanwaltschaft aus, er sei erst spät und nur vereinzelt vom obersten Korruptionsbekämpfer Albrecht Schäfer über Vorgänge und Ermittlungen informiert worden.

HB MÜNCHEN. Neubürger sei bestürzt gewesen und davon ausgegangen, dass sich Schäfer um die Verdachtsfälle kümmere und Abhilfe schaffe, zitierte Staatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl am Mittwoch aus seiner Aussage vor den Ermittlern. Schäfer hatte aber nach eigenen Angaben von vergangener Woche nicht die nötigen Kompetenzen. Neubürger habe sich zudem an viele Vorgänge nicht erinnern können. Die Vernehmung sei „konfrontativ“ gewesen, sagte die Staatsanwältin. Der frühere Finanzchef erschien selbst nicht vor Gericht, gegen ihn wird noch ermittelt.

Auch der frühere Bereichsvorstand und spätere Telekom-Spitzenmanager Lothar Pauly bestritt jede Verwicklung in das weit verzweigte Korruptionssystem. Fragwürdige Zahlungsanweisungen habe er nur unterschrieben, da bereits andere Verantwortliche ihre Signatur auf die Dokumente gesetzt hätten. Er habe sich darauf verlassen, dass seine Kollegen und Mitarbeiter die Rechtmäßigkeit der Zahlungen bereits geprüft haben. Von einer weit verbreiteten Schmiergeldpraxis habe er nichts gewusst. „Er hat es abgestritten“, sagte Bäumler-Hösl. Auch bei E-Mails, in denen Vermittler die Einlösung von „süßen Versprechungen“ forderten, sei er nicht stutzig geworden.

Am Mittwoch legte das Landgericht München einen Teil der Vorwürfe gegen den angeklagten Ex-Manager Reinhard Siekaczek zu den Akten. In neun der insgesamt 53 angeklagten Fälle von Untreue stellte die 5. Strafkammer das Verfahren auf Antrag der Staatsanwaltschaft ein. Zahlungen über mehrere Mill. Euro an Firmen zählen damit nicht mehr zum Vorwurf. Ursprünglich musste sich Siekaczek wegen der Veruntreuung von 58 Mill. Euro verantworten.

Das Urteil im Siemens-Prozess wird am kommenden Montag erwartet.

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