Korruptionsskandal
Tage der Abrechnung bei Siemens

Dem Siemenskonzern ist durch den Schmiergeldskandal ein Milliardenschaden entstanden. Einen Teil davon will sich das Unternehmen nun von der alten Führungsspitze um den Ex-Chef Heinrich von Pierer zurückholen. Die Schonfrist für eine gütliche Einigung läuft ab, doch die Vergleichsverhandlungen sind schwierig.

MÜNCHEN. Ein Milliardenschaden ist dem Siemens-Konzern durch den Schmiergeldskandal entstanden - einen kleinen Teil davon will sich das Unternehmen von der alten Führung um Ex-Chef Heinrich von Pierer zurückholen. Doch die Vergleichsverhandlungen, die in den nächsten Wochen zu Ende gebracht werden müssen, gestalten sich nach Informationen des Handelsblatts schwierig. Der Konzern könne bei seinen Forderungen an die Ex-Manager im Grunde keine Abstriche machen, hieß es gestern in Aufsichtsratskreisen. "Wenn sie die Summen nicht akzeptieren, muss durchgeklagt werden."

Durch den größten Schmiergeldskandal in der deutschen Wirtschaftsgeschichte ist Siemens ein Schaden von weit über zwei Mrd. Euro entstanden. Davon wollen die Manager-Haftpflichtversicherungen rund 100 Mio. Euro übernehmen. Siemens hatte aber auch von knapp einem Dutzend Managern persönlich Schadensersatz gefordert.

Bisher haben sich nur die Ex-Vorstände Klaus Wucherer, Rudi Lamprecht und Edward G. Krubasik zum Vergleich bereit erklärt. Sie wollen je 500 000 Euro an ihren ehemaligen Arbeitgeber zahlen. Im Zuge der Einigung ließ die Münchener Staatsanwaltschaft ihr Bußgeld-Verfahren wegen "Verletzung der Aufsichtspflicht" gegen sie fallen.

Auf Milde der Justiz können auch andere betroffene Ex-Manager hoffen, falls sie sich mit Siemens einigen. Zwar betonte die Staatsanwaltschaft gestern, dass es keinen unmittelbaren Zusammenhang gebe. "Die können vereinbaren, was sie wollen. Wir entscheiden selbstständig", sagte ein Sprecher. Bei einer Einigung sinke aber das öffentliche Verfolgungsinteresse - somit wäre eine Einstellung des Bußgeld-Verfahrens auch bei anderen möglich.

Die Verhandlungen gehen jetzt in die heiße Phase, weil ein Vergleich erst drei Jahre nach Bekanntwerden der Affäre abgeschlossen werden kann. Bei Siemens hatte die Affäre Mitte November 2006 mit einer Großrazzia ihren Lauf genommen. Daher soll die Hauptversammlung Anfang 2010 über die Vergleiche abstimmen. Wer also noch einer Schadensersatzklage entgehen will, muss sich in den nächsten Wochen mit dem Konzern auf einen Vergleich einigen. Der Aufsichtsrat könnte sich dann auf seiner Sitzung am 2. Dezember mit dem Thema beschäftigen.

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