Korruptionsverdacht: Indien droht Rüstungskonzern mit Verbannung

Korruptionsverdacht
Indien droht Rüstungskonzern mit Verbannung

Indien gilt als einer der wichtigsten Rüstungsmärkte der Welt. Dem italienischen Rüstungskonzern Finmeccanica droht nun die Verbannung von den Geldtöpfen. Das Land will die Italiener auf eine schwarze Liste setzen.
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Neu-Delhi/MailandDem italienischen Rüstungskonzern Finmeccanica droht wegen der Korruptionsvorwürfe die Verbannung aus dem lukrativen Rüstungsmarkt Indien. Sobald Beweise auf dem Tisch liegen, will die indische Regierung den bereits vereinbarten Kauf von zwölf Hubschraubern abblasen und stellte deshalb am Mittwoch schon einmal vorsorglich die Zahlungen ein. Zudem will das Land den Konzern in diesem Fall auf eine „schwarze Liste" setzen und so langfristig von Rüstungsgeschäften ausschließen.

Börsianer befürchten Schlimmes und trennten sich von der Aktie, die in Mailand wegen eines Kursverlustes von über fünf Prozent vom Handel ausgesetzt wurde. Bereits am Dienstag hatte sie rund sieben Prozent ihres Wertes eingebüßt. Die indischen Korruptionsvorwürfe gegen Finmeccanica könnten dem italienischen Rüstungskonzern dauerhaft schaden.

Finmeccanica-Chef Giuseppe Orsi war Anfang der Woche wegen Korruptionsverdacht bei dem 560 Millionen Euro schweren Hubschrauber-Geschäft in Italien festgenommen worden. Der bisherige Generaldirektor Alessandro Pansa übernimmt nun das Ruder, wie Finmeccanica am Mittwochabend nach einem Krisentreffen des Aufsichtsrats mitteilte.

Indische Behörden überprüfen nun den Kauf der Luxus-Helikopter für Indiens Top-Politiker. Interne Untersuchungen des Verteidigungsministeriums hätten bisher jedoch nichts gegen Finmeccanica zutage gefördert, erklärte Verteidigungsminister A.K. Antony. Orsi wird vorgeworfen, als Chef der Helikopter-Tochter AgustaWestland Bestechungsgelder im Zusammenhang mit dem Hubschrauberverkauf an die indischen Streitkräfte gezahlt zu haben. Am Vortag war aus Indiens Verteidigungsministerium verlautet, man prüfe die Zahlung von Schmiergeldern in Höhe von 40 Millionen Rupien (umgerechnet 555.000 Euro).

Ein Ende der Geschäftsbeziehungen mit Indien würde den Eurocopter-Konkurrenten empfindlich treffen. Angesichts zusammengestrichener Verteidigungsetats in den USA und Europa wird Indien als Kunde für Rüstungskonzerne immer wichtiger. Das Land ist bereits der weltgrößte Waffenimporteur.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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