Korruptionsverdacht
Total-Führungsriege wird verhört

Die französische Justiz hat drei Top-Manager des französischen Ölkonzerns Total vorgeladen, darunter Konzernchef Christophe de Margerie. Die Vorwürfe wiegen schwer, zumal es nicht die ersten ihrer Art sind.

ali PARIS. Ein Total-Sprecher bestätigte am Mittwochmorgen gegenüber Handelsblatt.com, dass die Manager im Laufe des Tages von der Pariser Finanzbrigade verhört werden sollen. Total soll Schmiergelder gezahlt haben, um im Iran bei der Erschließung des Gasvorkommens South Pars zum Zuge zu kommen. Den Vertrag dazu hatte der Konzern im Jahr 1997 mit der staatlichen Ölförderfirma NIOC des Iran abgeschlossen. Es handelt sich um eines der wichtigsten Projekte der Franzosen.

Neben Total-Chef Margerie müssen sich auch Finanzchef Robert Castaigne und der Chef der Gassparte Philippe Boisseau vor den Ermittlern verantworten. Ein Sprecher wies alle Vorwürfe zurück: „Total ist davon überzeugt, dass die Verträge absolut korrekt zustande gekommen sind und dass dies die Ermittlungen auch zeigen werden.“

Bereits vor der Berufung von de Margerie zum neuen Total-CEO waren in Paris Zweifel aufgekommen, ob ein Manager an der Spitze des größten Konzerns Frankreichs tragbar ist, der gleich bei mehreren Verfahren ins Visier der Justiz geraten ist. Denn gegen de Margerie wird ferner ermittelt, ob er sich als ehemaliger Chef der Explorationssparte Fehlverhalten im Zusammenhang mit dem Irak-Programm „Öl für Nahrungsmittel“ hat zu Schulden kommen lassen. Dabei soll es, so der Verdacht der Justiz, zu illegalen Kick-Back-Zahlungen gekommen sein. Nutznießer soll das Regime des damaligen irakischen Diktators Saddam Hussein gewesen sein.

Auch diesen Vorwurf weisen de Margerie und Total mit Nachdruck von sich. Total stehe zu 100 Prozent hinter seinen Top-Leuten und hege keine Befürchtungen, dass das Top-Management durch die Ermittlungen destabilisiert werde, sagte der Konzernsprecher. Es gäbe keine Vorbereitungen für einen „Plan B“.

Beobachter gehen ohnehin nicht davon aus, dass bei Total eine Führungskrise droht. Denn de Margeries Vorgänger, Thierry Desmarest, steht nach wie vor als Vorsitzender des Boards dem Unternehmen zu Verfügung und könnte im schlimmsten Fall die operative Führung wieder übernehmen, heißt es in Paris.

Zu den neuerlichen Korruptionsvorwürfen hatte im Dezember 2006 die französische Justiz ein Verfahren eröffnet, dass von den Ermittlungsrichtern Xavière Simeoni und Philippe Courroye geleitet wird. Letzterer hatte bereits gegen Total im Zusammenhang mit dem Öl-für-Lebensmittel-Programm der Vereinten Nationen ermittelt.

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