_

Kosten der Gesundheitsreform: Die US-Industrie stöhnt vor Schmerzen

Die Gesundheitsreform in den USA ist beschlossene Sache. Sie wurde allerdings auf Druck der mächtigen Pharma-Lobby weichgespült. Geblieben sind Kostensteigerungen vor allem für die Traditionsfirmen mit vielen Pensionären. Sie müssen nun Finanzierungslösungen finden.

Die US-Firmen müssen nun mit den Folgen der Gesundheitsreform zurechtkommen. Quelle: Reuters
Die US-Firmen müssen nun mit den Folgen der Gesundheitsreform zurechtkommen. Quelle: Reuters

NEW YORK. Amerikas Wirtschaft muss sich im Zuge der US-Gesundheitsreform auf empfindliche Steuererhöhungen und Subventionskürzungen einrichten. Firmen mit mehr als 50 Mitarbeitern werden künftig gesetzlich verpflichtet, der gesamten Belegschaft eine Krankenversicherung anzubieten und deren Prämien zu einem Großteil zu bezahlen. Weigern sie sich, müssen sie eine Strafe von 2.000 Dollar pro Mitarbeiter an den Fiskus abführen. Auch vermögende Privatpersonen sollen die Reform über geplante Steuern auf Kapitalerträge sowie höhere Einzahlungen in die staatliche Krankenversicherung Medicare mitfinanzieren.

Anzeige

Das US-Repräsentantenhaus hatte die umfassende Gesundheitsreform heute Nacht beschlossen und damit Präsident Barack Obama den größten Triumph seiner bisherigen Amtszeit beschert. Nach einer langen und emotional aufgeladenen Debatte stimmten die Abgeordneten mit knapper Mehrheit für die bereits verabschiedete Gesetzesvorlage aus dem Senat. Damit kann das Gesetz von Obama unterschrieben und in Kraft gesetzt werden.

Ökonomen beziffern die Belastungen für US-Firmen über die nächsten zehn Jahre auf etwa 500 Mrd. Dollar. In weiten Teilen der Geschäftswelt wird das große Reformwerk deshalb als Arbeitsplatzvernichter gebrandmarkt. Die neuen Steuern würden das Problem hoher Arbeitslosigkeit in den USA nur verschärfen und über niedrigere Gehälter sowie weniger Arbeitsstunden auf die Belegschaft zurückschlagen, warnte John Boehner in einem Schreiben an Präsident Obama. Der Fraktionsvorsitzende der Republikaner im Repräsentantenhaus hat den Brief gemeinsam mit einigen Dutzend Ökonomen unterzeichnet. Zwar gibt es in „Corporate America“ auch einige prominente Befürworter der Reform, etwa der Handels-Riese und größte private US-Arbeitgeber Wal-Mart. Die Kritiker sind aber deutlich in der Überzahl.

Allein der weltgrößte Baumaschinenkonzern Caterpillar bezifferte seinen Zusatzaufwand im ersten Jahr der Umsetzung auf mehr als 100 Millionen Dollar. Rund 150.000 Mitarbeiter, Pensionäre und Familienmitglieder sind bei Caterpillar derzeit krankenversichert. Im Zuge der Reform würden die seit Jahren ohnehin galoppierenden Versicherungskosten um mindestens weitere 20 Prozent steigen, teilte der Konzern mit.

So wie Caterpillar geht es vielen US-Traditionsfirmen, die neben ihrer aktiven Belegschaft auch eine hohe Anzahl von Pensionären versichern. Bisher erhalten diese Unternehmen Subventionen, sofern sie für die verschreibungspflichtigen Medikamente ihrer Pensionäre aufkommen. Die staatliche Unterstützung im Volumen von 750 Millionen Dollar pro Jahr soll künftig jedoch wegfallen – zum Ärger von Caterpillar & Co.

  • Die aktuellen Top-Themen
Deutsche-Bank-Chef: Ackermanns einsamer Abgang

Ackermanns einsamer Abgang

Wie kaum ein anderer hat Josef Ackermann das Bild der Deutschen Bank in der Öffentlichkeit geprägt. Jetzt muss der Schweizer der neuen Doppelspitze Jain/Fitschen weichen. Doch der Führungswechsel hat Spuren hinterlassen.

Volkswagen: VW in Chinas wildem Westen

VW in Chinas wildem Westen

Chinas Westen glänzt mit Wachstumsraten. VW will hier jährlich 50.000 Autos produzieren. Der Aufschwung soll soziale Konflikte lindern. Damit gerät VW allerdings zwischen die Fronten eines ethnischen Konflikts.

Übernahmekarussell: Deutsche Wohnen kauft milliardenschweres Wohnungspaket

Deutsche Wohnen kauft milliardenschweres Wohnungspaket

Mit dem Kauf von fast 24.000 Wohnungen stemmt die Deutsche Wohnen als vierter Immobilienkonzern in diesem Jahr eine milliardenschwere Übernahme in Deutschland. Der Bestand des Konzern wächst damit um fast die Hälfte.

  • Video

Projekt Zukunft Wie die Dinosaurier-Forschung hilft, heutige Probleme zu lösen - ein Gespräch mit Oliver Wings

Ein Gespräch mit Dr. Oliver Wings, Dinosaurier-Forscher, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, über den Nutzen der Dino-Forschung für die moderne Wissenschaft

  • Business-Lounge
Business-Lounge: Die großen Auftritte der Entscheider

Die großen Auftritte der Entscheider

Premieren, Feste, Symposien oder Jubiläen – es gibt viele Anlässe, bei denen die Größen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Verfolgen Sie die Auftritte in Bildern.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DEUTSCHLANDS ANZEIGENPORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Verkaufsangebote Verkaufsgesuche




 

.