Kosten steigen um dreistelligen Millionenbetrag: Teures Erz belastet Europas Stahlhersteller

Kosten steigen um dreistelligen Millionenbetrag
Teures Erz belastet Europas Stahlhersteller

Die europäischen Stahlhersteller sind alarmiert.Nachdem einige große asiatische Konkurrenten mit den beiden weltweit führenden Eisenerzlieferanten bereits neue Jahreskontrakte zu höheren Preisen abgeschlossenen haben, sehen sie eine Kostenlawine auf die gesamte Branche zurollen.

DÜSSELDORF. Die Anleger teilen die Sorge offenbar. Die Aktienkurse des weltgrößten Stahlherstellers Arcelor und der deutschen Nummer eins Thyssen-Krupp gaben gestern zeitweise deutlich nach.

Eisenerz ist ein wichtiger Rohstoff für die Stahlindustrie. Nach einer Faustformel werden für die Erzeugung einer Tonne Roheisen 1,5 Tonnen Eisenerz benötigt. Der Markt ist wegen der immensen Nachfrage aus China aber praktisch leer gefegt. Aus dieser Knappheit schlagen die Rohstoffkonzerne Kapital. Den Stahlherstellern bleibt keine andere Wahl, als die Preisforderungen zu akzeptieren, um keine Produktionsausfälle zu riskieren.

Der größte chinesische Stahlhersteller Baosteel wird von April an 71,5 Prozent mehr für seine Eisenerzbezüge bezahlen als gegenwärtig. Entsprechende Verträge mit dem brasilianischen Konzern Companhia Vale do Rio Doce (CVRD) und der australischen Rio Tinto, der Nummer eins und der Nummer zwei im weltweiten Erzhandel, wurden zu Wochenbeginn unterzeichnet. Bereits vor einer Woche hatten der größte Stahlhersteller Japans Nippon Steel und der südkoreanische Konzern Posco neue Erzlieferverträge zu den gleichen Konditionen abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt hofften die Europäer noch, ein günstigeres Ergebnis erzielen zu können. Die Abschlüsse in Asien seien „kein Maßstab“ für die anstehenden Verhandlungen, sagte Arcelor-Chef Guy Dollé.

Der Franzose ist über das Vorpreschen der Wettbewerber aus Fernost verärgert. „Ich verstehe nicht, warum erstmals die Asiaten in den Preisverhandlungen mit CVRD die Vorreiterrolle übernommen haben, wenn doch die größten Kunden in Europa sitzen.“ Rund 60 Prozent seiner Erzlieferungen bezieht Arcelor aus Brasilien, bei Thyssen-Krupp ist der Anteil ähnlich hoch. Am Beispiel des größten deutschen Stahlherstellers wird deutlich, wie gravierend sich ein gegenüber 2004 um 70 Prozent erhöhter Erzpreis auswirkt. Thyssen-Krupp müsste bei einem Jahresbedarf von 17 Mill. Tonnen eine zusätzliche Kostenbelastung von einer halben Milliarde Euro verkraften, schätzen Analysten.

Auch wenn Arcelor und Thyssen-Krupp sich weigern, die Vorgaben aus Fernost zu akzeptieren: Die Chancen auf einen günstigeren Vertragsabschluss schwinden. Denn die Marktmacht der führenden Erzlieferanten ist geradezu erdrückend. Während CVRD, Rio Tinto und die australische BHP Billiton fast drei Viertel des Erzangebotes kontrollieren, kommen die drei größten Stahlhersteller gerade mal auf einen Anteil von 13 Prozent bei der weltweiten Rohstahlerzeugung. „Es gibt keine Zweiteilung des Erzmarktes. Das ist ein Weltmarktpreis, der für alle gilt“, sagte ein Branchenkenner.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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