Kostenreduzierung
Firmen bündeln Vermögen

Internationale Konzerne entdecken ein neues Feld für Kostensenkungen: Sie bündeln ihre Vermögen, aus denen sie betriebliche Altersrenten zahlen. In Europa sorgen zum Beispiel Shell und Unilever mit konkreten Plänen für so genanntes Asset-Pooling für Aufsehen. Auch in Deutschland interessieren sich Dax- und M-Dax-Firmen dafür.

FRANKFURT. Die ersten deutschen Asset-Poolings erwarten Experten im nächsten Jahr.Das Marktpotenzial für diese neuen „Vermögensbündel“ in Deutschland beziffert Thomas Jasper, Vorstand der Unternehmensberatung Rauser Towers Perrin, anfänglich auf rund 100 Mrd. Euro – das entspricht der Summe der von Dax-Firmen aus der Bilanz ausgelagerten Pensionsvermögen. Mittelfristig werde sich das Potenzial mehr als verdoppeln, schätzt er. Gründe: Die Firmen erhöhen ihre Pensionsvermögen noch, mittelgroße Firmen dürften nachziehen. Bereits heute stellt Steuerberater Ralf Lindauer von Pricewaterhouse Coopers (PwC) ein „gesteigertes Interesse“ von Firmen aus dem M-Dax am Asset-Pooling fest.

Wer seine Pensionsvermögen aus verschiedenen Ländern zusammenlegt, kann vor allem Kosten und Verwaltungsaufwand senken. Als wichtigste Motive für das Pooling nennt Jörg Ambrosius, Geschäftsführer des Vermögensverwahrers State Street Bank, Kostensenkung sowie Transparenz und die Möglichkeit, zentral Pensionsverpflichtungen und Vermögensbestände gegenüberzustellen. Wer ein größeres Vermögen zentral verwalten lässt, zahlt tendenziell weniger Management-, Depotbank- und Transaktionsgebühren. Bei Gebühren in Höhe eines etwa zweistelligen Millionen-Euro-Betrags im Jahr für Vermögensverwaltung könnten Unternehmen mindestens 20 bis 30 Prozent sparen, schätzt Ambrosius.

Da die Verschmelzung von Vermögen aus verschiedenen Ländern einen beträchtlichen Aufwand bedeutet, empfehlen Experten dies nur für größere Summen. Für Jasper von Rauser Towers Perrin ist ein Asset-Pooling erst ab einer Mrd. bis zwei Mrd. Euro sinnvoll. Ferner sollten die Vermögen breit gestreut sein, um Effizienzgewinne zu ermöglichen. Sind die Prozesse erst einmal etabliert, kann sich Thomas Huth, Director Pension Solutions bei der Deutsche-Bank-Tochter DeAM, aber auch standardisierte Lösungen für kleinere Summen vorstellen. „Wir arbeiten an einem überbetrieblichen Vehikel ohne Volumensbeschränkungen“, sagt er.

Ein Asset-Pooling geschieht grundsätzlich in mehreren Schritten. Zunächst erarbeitet ein Unternehmen eine einheitliche Anlagestrategie für seine Pensionsvermögen. Zweitens lässt es das Vermögen von einer einzigen Depotbank verwahren. In einem dritten Schritt werden die Vermögen zusammengelegt. Beim klassischen oder realen Asset-Pooling überträgt das Unternehmen die Vermögen aller lokaler Pensionspläne auf ein Vehikel (siehe „Arten des Asset-Pooling“). Neben rechtlichen Fragen steht die steuerneutrale Ausgestaltung im Mittelpunkt. Das Vehikel muss dafür von der Quellensteuer befreit sein und der Investor so gestellt werden, als legte er direkt in den jeweiligen Ländern an. Vor allem die steuerliche Seite mache das Asset-Pooling aufwendig und werde oft noch zum K.-o.-Kriterium, sagt Lindauer von PwC. Aktuell müssten die steuerlichen Bedingungen noch mit jeder betroffenen Finanzbehörde überprüft und gegebenenfalls ausgehandelt werden. Es kristallisierten sich Luxemburg und Dublin allerdings als Standorte heraus, meint Jasper. Dort werde für einige Firmen bereits Steuerneutralität über viele Länder hinweg erreicht, und es gebe erfahrene Depotbanken. „Ohne die Steuerneutralität wird das Pooling uninteressant – je nach Doppelbesteuerungsabkommen und Dividenden kann sich ein Investor um bis zu 0,3 Prozentpunkte schlechter stellen“, sagt Huth.

Seite 1:

Firmen bündeln Vermögen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%