Kostensenkung
Baukrise setzt Wienerberger stärker zu als Konkurrenten

Europas größter Ziegelhersteller Wienerberger muss seine Kosten massiv senken. Weil der Umsatz im ersten Halbjahr um 30 Prozent geschrumpft ist, klafft ein dickes Minus in der Firmenbilanz. Nun wollen die Österreicher noch mehr Werke aufgeben als bislang angekündigt.

WIEN. Europas größtem Ziegelhersteller Wienerberger droht in diesem Jahr der größte Verlust in der Firmengeschichte. Das erste Halbjahr 2009 hat der österreichische Konzern mit einem Verlust von 204 Millionen Euro abgeschlossen. Finanzvorstand Willy van Riet sagte gestern in Wien, dass das Unternehmen das Minus wegen der schwierigen wirtschaftlichen Entwicklung in der Baubranche bis zum Jahresende kaum noch ausgleichen werde. Seinen letzten Jahresverlust verbuchte Wienerberger im Jahr 2001 mit knapp 18 Millionen Euro.

Andere Firmen aus der Baubranche leiden ebenfalls unter der Krise, schneiden aber nicht so schlecht ab wie die Österreicher. Der französische Lafarge-Konzern hat die ersten sechs Monate mit einem Überschuss von 370 Millionen Euro abgeschlossen. Der Schweizer Konkurrent Holcim veröffentlicht am Donnerstag seine Zahlen, voraussichtlich schreibt er ebenfalls Gewinne. Auch der deutsche Baukonzern Hochtief hat im ersten Halbjahr noch vergleichsweise gut verdient.

Der Ziegelhersteller Wienerberger beklagt, dass der Absatz des Unternehmens auf allen wichtigen Märkten eingebrochen sei. Für die Österreicher habe die Krise vor zwei Jahren in Nordamerika mit den Subprime-Problemen begonnen. In den vergangenen Monaten sei die Krise nach Westeuropa auch in Osteuropa angekommen, dem letzten Wachstumstreiber des Wiener Baustoffkonzerns. Der Umsatz des Unternehmens schrumpfte im Halbjahr um knapp 30 Prozent auf 898 Millionen Euro.

Den neuen Vorstandsvorsitzenden Heimo Scheuch, erst seit dem 1. August im Amt, erwartet eine schwierige Zeit. Auf die anhaltende Verkaufsschwäche reagiert er mit einem verschärften Sparprogramm. Wienerberger will noch mehr Werke als bislang angekündigt aufgeben oder zumindest befristet bis zum Ende der Krise schließen. 1 000 Mitarbeiter hat das Unternehmen, das auch stark in Deutschland mit eigenen Werken vertreten ist, bereits verloren. Die aktuelle Beschäftigtenzahl liegt bei etwa 13 000.

Firmenwertabschreibungen auf frühere Zukäufe und Wertminderungen bei Produktionsanlagen waren dafür verantwortlich, dass die Zahlen schon jetzt zum Halbjahr so extrem schlecht ausgefallen sind. Die Abschreibungen schlugen mit etwa 155 Millionen Euro zu Buche. Das schwache operative Ergebnis (Ebit: 7,8 Millionen Euro) reichte bei Weitem nicht aus, um den zusätzlichen Aufwand aufzufangen.

Scheuch setzt darauf, dass er mit dem internen Sparpaket über 150 Millionen Euro die Krise überstehen wird. An neue strategische Ansätze ist derzeit kaum zu denken. Der neue Wienerberger-Chef sucht überall im Unternehmen nach überschüssiger Liquidität, um dem Konzern wieder mehr Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Das Eigenkapital ist zum Halbjahr um neun Prozent auf knapp 2,3 Milliarden Euro gefallen, die Nettoverschuldung um zehn Prozent auf etwa 980 Millionen Euro gestiegen.

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