Krabbenfischer
Das „rote Gold der Nordsee“ verfällt im Wert

Im Wattenmeer wimmelt es vor Krabben, doch die Krabbenfischer kämpfen ums Überleben. Der Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft verkauft seinen Kutter. Zurzeit steht rund ein Viertel der deutschen Fangflotte zum Verkauf.
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BüsumDie Welt der Krabbenfischer scheint in diesem Jahr endgültig aus den Fugen geraten zu sein. Obwohl die Netze voll waren, fuhren die Fischer Verluste ein. „Bei uns kam zu wenig Geld an“, erläutert André Hamann in Büsum. Die Fischer bekamen für das „Rote Gold der Nordsee“ zum Teil nur zwischen 1,30 Euro und 1,50 Euro pro Kilo Krabben - das doppelte wäre nötig, um die Kosten für Schiff, Treibstoff und Löhne hereinzubekommen. „Zum Überleben brauchen wir drei Euro“, sagt Kapitän Hamann und ballt die Fäuste. „Das ist absolutes Minimum.“

Der Fischer weiß, wovon er redet. Er ist Vorsitzender der schleswig-holsteinischen Krabbenfischer und kämpfte lange Zeit für höhere Erzeugerpreise, um die Branche vor dem wirtschaftlichen Untergang zu bewahren. Sich selber konnte er nicht retten. Hamann verkaufte im Sommer seinen Kutter und drückt seitdem wieder die Schulbank. An der Staatlichen Seefahrtsschule in Cuxhaven büffelt der Familienvater zurzeit für das Patent für die kleine Hochseefischerei.

Und Hamann ist kein Einzelfall: Auch vielen seiner Kollegen steht finanziell das Wasser bis zum Hals. So hatten 49 Krabbenfischer im Herbst im „Fischerblatt“ ihre Kutter demonstrativ zum Kauf angeboten: Bunt bemalte und liebevoll gepflegte Schiffe aus Holz und Metall, irgendwo zwischen zehn und 20 Metern lang, und zum Teil schon 60 Jahre lang im Familienbesitz. „Auch wenn es vielen schwerfällt zu glauben: Für einen halbwegs annehmbaren Preis würden wir sie verkaufen“, sagt Hamann. Einigen drohe die Insolvenz.

Schwer verständlich für einen Urlauber, der nur sieht, wie viel ein Krabbenbrötchen auch außerhalb der Saison kostet. Von diesem Geld haben die Fischer bislang jedoch wenig. Der Grund: Zu viele Betriebe, die zu viele Krabben fischen für einen Markt, der seit Jahren weltweit nur rund 30.000 Tonnen aufnimmt, sagt Söhnke Thaden von der Erzeugergemeinschaft der Küstenfischer Tönning, Eider, Elbe und Weser (TEEW).

Da bei den Nordseekrabben keine Fangquoten die Mengen regulieren, kann theoretisch jeder Fischer so viel fangen, wie er will. Das nutzen besonders die Holländer, die im Winter mit ihren größeren Kuttern auf Krabbenfang gehen, wenn sie mit dem Schollenfang fertig sind. „Während die kleineren deutschen Kutter wegen schlechten Wetters Winterpause machen mussten, haben die richtig Gas gegeben“, sagt Hamann. Sie verkauften ihren Fang an die beiden marktbeherrschenden niederländischen Großhändler. Die nehmen auch den knapp 200 deutschen Krabbenfischern die Krabben ab. „Doch mehr als 30.000 Tonnen Krabben pro Jahr werden nicht gegessen.“

Ein Weg aus der Krise könnte ein Zusammenschluss der drei deutschen Erzeugerorganisationen zu einer einzigen großen Erzeugergemeinschaft sein: Dafür hatten sich schon Anfang Oktober die Fischereiminister von Schleswig-Holstein und Niedersachsen, Juliane Rumpf und Gert Lindemann (beide CDU), ausgesprochen. „Dann würden wir alle mit einer Stimme sprechen“, sagt Hamann. Die Großhändler müssten dann mit der Gemeinschaft verhandeln und nicht mehr mit den einzelnen Fischern. Auch in den Niederlanden müsste das erreicht werden, um bei den Großhändlern vernünftige Preise durchsetzen zu können.

Hamann rechnet damit, dass der Zusammenschluss in Deutschland bis zum Start der neuen Krabbenfangsaison im März 2012 Wirklichkeit wird. Dann hätten die Krabbenfischer eine Chance zu überleben, glaubt er.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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