Industrie

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Kräftebündelung in Branchenparks: Chemie-Standort Deutschland kämpft gegen Abwärtstrend

Der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG Werner Wenning hat nur eine Erklärung für die nachlassende Bedeutung des Chemie-Standortes Deutschland:"Es kann nicht ohne Folgen für uns bleiben, wenn unsere Kunden in dynamischere Regionen der Welt abwandern."

von Siegfried Grass
Wenn Sie wissen wollen, wo die Chemieparks in Deutschland zu finden sind, klicken Sie auf das Pluszeichen! Quelle: Handelsblatt
Wenn Sie wissen wollen, wo die Chemieparks in Deutschland zu finden sind, klicken Sie auf das Pluszeichen! Quelle: Handelsblatt

DÜSSELDORF. Der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG und Präsident des Verbands der Chemischen Industrie in Deutschland (VCI) erklärt so die nachlassende Bedeutung des Chemie-Standortes Deutschland. Während die deutschen Chemieunternehmen ihren Weltmarktanteil stabil auf 13 Prozent halten, erreicht der Standort Deutschland nach den Zahlen des VCI nur noch einen Anteil von rund acht Prozent. Das verdeutlichte Wenning jüngst auf der Handelsblatt-Jahrestagung Chemie.

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Aus den aktuellen Zahlen lässt sich zugleich auch Hoffnung schöpfen: Zuversicht, dass der Abwärtstrend - also die Aufgabe großer Produktionsanlagen und der Abbau zahlreicher Arbeitsplätzen - zumindest gestoppt ist. So stieg die deutsche Chemieproduktion im vergangenen Jahr um 7,1 Prozent - die höchste Zuwachsrate seit über 20 Jahren. Zur Erinnerung: die Zahl der in der Chemie-Beschäftigten in Deutschland ist von 1995 bis 2005 um 22 Prozent zurückgegangen.

Horst-Dieter Schüddemage, Vorsitzender der Fachvereinigung Chemieparks/Chemiestandorte im VCI, erklärt: "Die klassischen Wertschöpfungsketten in der Chemie brechen auf. Das traditionelle Unternehmen - breit aufgestellt, vertikal integriert und hierarchisch funktional strukturiert - wird zum Auslaufmodell."

Zwar gehört Deutschland nach wie vor zu den drei wichtigsten Chemiestandorten in der Welt, doch der Standort wird trotz seiner hervorragenden Forschungslandschaft und exzellenter Infrastruktur kaum noch ausgebaut. Große Flächen liegen brach - einige Beispiele: Im mitteldeutschen Chemiedreieck stehen 600 Hektar Ansiedlungsfläche zur Verfügung. Die norddeutschen Chemiestandorte verfügen über mehr als 2 500 Hektar freie erschlossene Flächen für Chemieansiedlungen. und die sechs Standorte Marl, Gelsenkirchen, Castrop-Rauxel, Dorsten/Marl und Bottrop verfügen über 250 Hektar freie Flächen. Und auch traditionelle Chemiestandorte wie Leverkusen, Dormagen und Uerdingen (Bayer) würden ihre freien Flächen gerne an Investoren vergeben.Doch nicht alle deutschen Chemiestandorte stehen den Problemen ratlos gegenüber. Positivbeispiele sind vor allem Chemieparks, denen der Übergang von geschlossenen Chemiestandorten über eine partielle Öffnung für andere Unternehmen bis hin zum unabhängigen Industriepark gelungen ist.

Der Schweizer Unternehmensberater Gunter Festel nennt Beispiele: Henkel Holthausen, Infratec Duisburg (ehemaliger Rütgers-Standort in Meiderich) oder Oberbruch (ehemaliger Akzo-Nobel-Standort). Ein anderer Standort, wo die Chemie inzwischen stimmt, ist beispielsweise auch der Industriepark Frankfurt-Hoechst, der sich allerdings nicht mehr nur auf die Ansiedlung von Chemieunternehmen beschränkt.

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