Kräftige Absatzzuwächse
Yen hilft Japans Autobauern

Toyota und Honda fahren im Ausland satte Gewinne ein, gestützt durch die Schwäche des Yen. Nissan schwächelt dagegen und bleibt in der Krise. Allmählich mehren sich Zweifel, wie lange der günstige Wechselkurs noch anhält. Umso ungünstiger, dass der Heimatmarkt als schwierig gilt.

TOKIO. Die japanischen Autohersteller konnten im abgelaufenen Quartal ihren Gewinn mehrheitlich steigern. Vor allem das US-Geschäft legte nochmals deutlich zu. Dank der Schwäche des Yens wirkte sich der Auslandsbeitrag zudem besonders günstig auf die Ergebnisse aus. Für das Gesamtjahr erwarten die Hersteller jedoch ein geringeres Wachstum – es mehren sich die Zweifel, ob die günstige Konstellation der Wechselkurse anhält.

„Im Ganzen ist die japanische Autoindustrie jedoch auch auf einen Yen-Anstieg ganz gut vorbereitet“, sagt Analyst Yasuhiro Matsumoto von Shinsei Securities. Während Honda sich mit Termingeschäften gegen steigende Kurse bis hin zu 115 Yen pro Dollar absichere, setze Nissan darauf, dass sich die Gewinne und Verluste durch Währungsverschiebungen weltweit und zeitlich ausgleichen. Toyota legte am Freitag Quartalszahlen vor und konnte mit einem Plus beim Nettogewinn von 32,3 Prozent auf 491,5 Mrd. Yen (drei Mrd. Euro) im Vergleich zum Vorjahr glänzen. „Während unsere Ausgaben für den Einkauf gestiegen sind, konnten wir die Kosten senken und global den Absatz steigern“, sagte Vorstandsmitglied Suzuki Takeshi. In Amerika hätte sich der Pickup-Truck Tundra und das spritsparende Luxusmodell Lexus LS gegen den Markttrend gut verkauft. Auch das benzin-elektrische Hybridauto Prius fuhr den Wettbewerbern ein weiteres Mal davon. „Für die USA erwarten wir keinen nennenswerten Rückgang“, sagte Suzuki. Zwar müsse Toyota mehrere tausend Dollar Rabatt für jeden Tundra bieten, der Gewinn sehe aber dennoch ordentlich aus.

Auch in den Schwellenländern stieg der Absatz kräftig. Der Heimatmarkt Japan entwickelte sich dagegen wieder einmal schlecht. Der Absatz sank um acht Prozent. Ein Erdbeben im Juli kam erst nach Quartalsende und wirkte sich noch nicht auf die Zahlen aus. Toyota konnte kurz nach dem Beben knapp 60 000 Autos nicht wie geplant produzieren. „Ich schätze die Kosten des Produktionsstopps auf 100 Mrd. Yen“, sagt Analyst Matsumoto. Bei einem erwarteten operativen Jahresgewinn von 2,25 Bill. Yen sei das allerdings zu verschmerzen. Toyota senkte am Freitag den Ausblick nicht.

Anders als Toyota konnte der Branchendritte Nissan sein Ergebnis nicht steigern und befindet sich damit seit einem Jahr in der Krise. „Konzernchef Carlos Ghosn hat in dem Versuch, schnell wieder gute Zahlen vorzulegen, in den USA zu viele neue Modelle auf einmal auf den Markt geworfen“, sagt Matsumoto. Gleichmäßige Modelleinführungen kämen beim Kunden am besten an, die „Management-Magie“ Ghosns sei verflogen. Konkurrent Honda, der Nissan 2006 beim Umsatz überholt hatte, zeigt dagegen, wie es richtig geht: In den USA bringt das Unternehmen im Zweimonatsrhythmus frische Modelle auf den Markt. Weltweit entsprechen die Autos wie Preise den Vorstellungen der Kunden, so dass von Honda weiteres Wachstum zu erwarten ist.

Suzuki und Daihatsu mit ihren Klein- und Kleinstautos freuen sich über ungebrochene Beliebtheit ihrer Produkte bei den Japanern. Als einzige Hersteller konnten sie zuhause zulegen. Suzuki steigerte den Umsatz um 17 Prozent, die Toyota-Tochter Daihatsu konnte den Gewinn um 50 Prozent hochschrauben. Mazda kämpft dagegen mit geringer Beliebtheit in den USA und wies trotz eines guten Europageschäfts einen geringeren Gewinn aus als im Vorjahr. Für Mitsubishi belegt die 30-prozentige Umsatzsteigerung, dass das Unternehmen trotz des schwierigen Marktumfelds in Japan gute Fortschritte bei der Genesung nach einer Vertrauenskrise vor zwei Jahren macht.

Nachdem in der vergangenen Woche bekannt wurde, dass ausländische Hersteller in Amerika mehr Autos verkaufen als die US-Hersteller, droht den Japanern möglicherweise wieder Ungemach von der US-Politik. „Es wird vermutlich neue Kritik aus Detroit laut“, sagt Matsumoto.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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