Kräftige Investitionsanreizen
Infineon baut Chipwerk in Indien

Infineon hat am Mittwoch eine Absichtserklärung für den Aufbau eines Werks in Indien unterzeichnet. Damit stützt der deutsche Chiphersteller die Strategie der dortigen Regierung, deren Industriepolitik prestigeträchtige Chip-Fabriken anlocken soll. Indien folgt dabei dem Beispiel von Ländern wie Taiwan, Südkorea, Singapur, Malaysia und China.

NEU DELHI. Mit Hilfe von Infineon will die Hindustan Semiconductor Manufacturing Corp. (HSMC) für 4,5 Mrd. Dollar die zweite Halbleiterfertigung im Land errichten. Hinter der Neugründung stehen indischstämmige Wagniskapitalgeber aus dem Silicon Valley. Infineon überlässt HSMC in Lizenz zeitgemäße 130-Nanometer-Prozesstechnologie. Der Fokus liegt auf Schaltkreisen für Mobilfunk, Smartcards und den Automobilbereich.

„Die Zusammenarbeit mit HSMC bietet uns die Chance, auch über unser Entwicklungszentrum in Bangalore hinaus in Indien stark zu wachsen", sagte Infineon-Chef Wolfgang Ziebart am Mittwoch in Indien. Finanzielle Details nannte er nicht. Der Vorstandsvorsitzende unterstrich, Infineon strebe keinen Anteil an HSMC an. Dem Verkauf von Prozesstechnologie an Dritte gehöre ohnehin die Zukunft. „Für die nächste Technologie-Generation im 65- und 54-Nanometerbereich werden wir nicht länger in eigene Fabriken investieren“, kündigte Ziebart an.

Den Bau von Indiens erster Chipfabrik hatte im Vorjahr Sem-India in Kooperation mit AMD bekannt gegeben. Auch hinter dieser Neugründung stehen Private-Equity-Firmen. Sem-India baut ein Werk für drei Mrd. Dollar in Hyderabad. „In den nächsten Wochen wird es weitere Deals geben“, kündigte IT-Minister Dayanidhi Maran an.

Bislang spielt sein Land nur im Entwicklungsbereich global eine wichtige Rolle. Rund 200 Chip-Firmen betreiben dort Forschungszentren, oft die größten außerhalb ihrer Heimat. Wie Intel, Texas Instruments oder ST Microelectronics nutzt Infineon Indien mit 600 Ingenieuren für Chip-Design und Softwareentwicklung. Bei der Produktion dominieren hingegen Nationen in Ostasien, allen voran Taiwan. In jüngster Zeit unternehmen auch China und Vietnam große Anstrengungen in dem Bereich.

Mit kräftigen Investitionsanreizen versucht Indiens Regierung, Nachteile gegenüber etablierten Standorten auszugleichen. Sie lockt Chip-Hersteller mit Subventionen in Höhe von einem Viertel der Investitionssumme, in Form von Steuererleichterungen und zinslosen Darlehn. Darüber hinaus wetteifern Bundesstaaten mit billigem Land, sich als Zentrum einer keimenden Chip-Industrie zu etablieren. „Ohne Förderung wären wir nicht hier“, gibt HSMC-Gründer Deven Verma zu.

Manche Analysten bezweifeln trotzdem, dass Chip-Produktion in Indien Sinn ergibt. Anders als Forschungszentren sind Fabriken nicht personalintensiv und profitieren kaum von den niedrigen Löhnen. Dafür drohen Nachteile durch Indiens Infrastrukturprobleme. Die Halbleiterherstellung benötigt viel Frischwasser und Strom. Beides ist in Indien Mangelware. „Anfänglich werden Fabriken hier mit Nachteilen gegen Standorte wie Taiwan zu kämpfen haben“, gibt Raj Khare zu, Chef der Lobby-Vereinigung India Semiconductor Association. Aber in den nun entstehenden Branchen-Clustern würden Infrastrukturengpässe bald verschwinden. Dafür, dass HSMC keine Probleme mit Strom oder Wasser bekommt, ist Siemens zuständig. Die Deutschen sind die Infrastrukturpartner des Projekts. Vor einem Risiko sind Investoren indes nicht gefeit: Die vielen Neuinvestitionen, vor allem in China, verstärken den Druck auf die Chip-Preise weltweit. Beratungsfirmen wie Gartner Dataquest warnen ab 2009 vor Überkapazitäten. Genau dann wollen HSMC und Sem-India die Produktion aufnehmen.

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