Kräftiges Wachstum erwartet
Giesecke & Devrient setzt alles auf die Karte

Kreditkarten, EC-Karten, Krankenkassenkarten und Firmenausweise: Die Geldbeutel der Menschen werden immer dicker, weil regelmäßig neue Plastikkarten dazu kommen. Ein Ende des Kartenbooms ist nicht absehbar, im Gegenteil: Experten rechnen damit, dass die Zahl noch auf Jahre hinaus steigt.

NITRA. Von dem Aufschwung will das Traditionsunternehmen Giesecke & Devrient künftig deutlich stärker profitieren. Die Münchener investieren deshalb kräftig in die Fertigung.

„Der Trend zur Chipkarte geht weiter“, sagt Karsten Ottenberg, der Chef des Familienunternehmens. 20 Mill. Euro hat G&D gerade in eine hochmoderne Fertigung im slowakischen Nitra investiert. Das Werk ersetzt eine in die Jahre gekommene Fabrik am Tegernsee und sorgt für zusätzliche Kapazitäten. „Mit der Kostenstruktur in Nitra sind wir europaweit in Führung“, sagt der Manager.

G&D, der Name steht für das Drucken von Geld. Doch das 1852 gegründete Unternehmen ist mehr als nur ein Hersteller von Banknoten: Für die Bayern, der letzte Jahresumsatz lag bei 1,2 Mrd. Euro, ist das Geschäft mit Karten und Ausweisen inzwischen genauso wichtig. Weltweit ist G&D der zweitgrößte Anbieter so genannter Smartcards, wie sie etwa von Banken ausgegeben werden – ein großer Teil ist mit Chips bestückt.

Die Smartcards lassen sich für immer mehr Dinge des täglichen Lebens nutzen. „Das stärkste Wachstum haben die Felder, die das höchste Wertschöpfungspotenzial bieten“, sagt Helmut Gassel, Chef des Smartcard-Geschäfts des Chipproduzenten Infineon. Die Münchener sind ein wichtiger Lieferant für die Kartenproduzenten. Gassel geht davon aus, dass vor allem sicherheitsrelevante Anwendungen stark gefragt sein werden. Dazu gehören etwa Karten für die Zugangskontrolle in Firmen, in Bussen und Bahn, für die Identifizierung am Computer oder in Form von Pässen und Ausweisen. Ein Beispiel ist auch die Gesundheitskarte, wie sie in Deutschland eingeführt werden soll. Der Infineon-Manager rechnet deshalb damit, dass die Umsätze im Markt künftig jedes Jahr „um einen höheren einstelligen Prozentsatz wachsen werden“.

Dennoch ist der Preisdruck enorm. Das liegt daran, dass trotz der vielen neuen Anwendungsmöglichkeiten die Mobilfunker nach wie vor die mit Abstand wichtigsten Abnehmer sind. Sie kaufen jedes Jahr viele Millionen der so genannten SIM-Karten. „Hier haben wir ein riesiges Mengenwachstum, aber auch einen großen Margendruck“, sagt G&D-Chef Ottenberg. Das liegt daran, dass die SIM-Karten weitgehend identisch sind, die Hersteller lassen sich leicht austauschen. Deshalb entschloss sich die Firma, ihre Fabrik im teuren Oberbayern zu schließen und in die von den Löhnen und Steuern her viel günstigere Slowakei zu gehen.

Mit dem neuen Werk hat G&D die Kapazitäten zudem deutlich nach oben gefahren. Schon zum Start des noch nicht ganz ausgebauten Werks kann G&D jetzt ein Fünftel mehr liefern. Das ist wichtig, denn Analysten sagen für 2007 ein Mengenwachstum von mehr als 20 Prozent voraus. Wichtigster Konkurrent von G&D bei Smartcards ist Weltmarktführer Gemalto. Das Unternehmen mit Sitz in Amsterdam entstand im Juni durch die Fusion von Axalto und Gemplus. Neben der Fabrik in Nitra produziert G&D auch in Amerika und Asien für die lokalen Märkte. Weil nicht nur das Geschäft mit Smartcards brummt, sondern auch der Bereich Banknote gut läuft, rechnet Ottenberg für das laufende Jahr mit „leichtem Umsatzwachstum bei ordentlicher Profitabilität“.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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