Kräftiges Wachstum erwartet
Outdoor-Anbieter danken dem Himmel für gute Geschäfte

In Deutschland gibt es wohl kaum eine Branche, die derzeit so gut gelaunt ist wie die der Outdoor-Anbieter. Laut Thomas Lipke, Chef der Outdoor-Kette Globetrotter, hätten weder Hersteller noch Händler Grund zum Klagen. Und auch dieses Jahr rechnet die Branche mit kräftigem Wachstum.

FRIEDRICHSHAFEN. „Der Markt ist fantastisch“, jubelt Globetrotter-Chef Thomas Lipke am Donnerstag zum Start der „Outdoor“, der weltweit größten Branchenmesse in Friedrichshafen. Was im besonders gefallen dürfte: Dieser Trend setzt sich fort: 2008 stieg der Umsatz der Outdoorindustrie in Europa um mehr als ein Prozent auf 5,8 Mrd. Euro. In Deutschland ging es sogar noch stärker nach oben, einige Hersteller verbuchten zweistellige Zuwachsraten. Zum Vergleich: Der Sportsektor insgesamt schrumpfte um ein Prozent. „Wir haben die Krise bisher bemerkenswert gut überstanden“, sagt Mark Held vom Verband European Outdoor Group.

Für dieses Jahr sind die Unternehmen optimistisch: „Die Zahlen für Deutschland scheinen das Wachstum von 2008 noch zu übertreffen“, sagt Held. „Die Auftragslage ist gut.“ So hat das Outdoor-Segment bei Intersport, Europas größtem Händlerverbund, im ersten Halbjahr um 20 Prozent zugelegt. Der gesamte Umsatz stieg nur um sieben Prozent. „Wir sind in einer Boomphase, wie ich sie in 30 Jahren nicht erlebt habe“, sagte Intersport-Vorstand Klaus Jost. Auch Globetrotter-Chef Lipke erwartet „ein Wachstum im guten einstelligen Bereich“.

Die Messe in Friedrichshafen profitiert vom Aufschwung der Branche. Am Bodensee stellen bis Sonntag 810 Unternehmen aus – das sind drei Prozent mehr als im Vorjahr. „In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist das ein ausgesprochen positives Signal“, sagt Projektleiter Stefan Reisinger. Das Wachstum der Messe folgt dem der Industrie: Kamen zur ersten Veranstaltung 1994 nur 5 000 Besucher, so waren es 2008 bereits fast 20 000.

Auch die Sportkonzerne drängen in den Markt. Adidas ist erstmals seit Jahren wieder mit einem großen Stand in Friedrichshafen vertreten. Für den zweitgrößten Sportartikelanbieter der Welt ist das Outdoor-Geschäft ein wichtiges Wachstumsfeld. Bisher sind die Franken hier kaum vertreten.

Angesichts der weltweiten Rezession ist die Branche aber auf der Hut: „Wir sind in Alarmbereitschaft. Die Situation kann sich jederzeit ändern“, sagt Verbandsfunktionär Held. In Ländern wie Italien, Spanien und Großbritannien seien die Kunden zudem zurückhaltender. Eine Bedrohung stellten auch Insolvenzen wie die der Karstadt-Mutter Arcandor dar. Karstadt ist einer der größten Sporthändler in Deutschland und für fast alle Hersteller ein bedeutender Abnehmer. Die Produzenten spüren auch die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe.

Dass es der Branche derzeit so gut geht, hat vor allem zwei Gründe: Einerseits würden dieses Jahr mehr Deutsche ihren Urlaub zuhause verbringen, sagt Hartmut Heinrich von der Unternehmensberatung Vivaldi Partners. Andererseits lag im letzten Winter lange Schnee und es war kalt. Das kurbelte den Absatz von warmer Kleidung an. Die Händler haben daher nun die Mittel, um neue Ware zu bestellen. „Das Wetter ist in vielerlei Hinsicht der entscheidende Faktor“, sagt Verbandsmanager Held. Im Klartext: Ein warmer Winter macht den Unternehmen mehr zu schaffen als eine Konjunkturflaute.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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