Kraftfahrzeugmarkt
Autohändler geraten in die Klemme

Bewegung auf dem Automarkt: In den vergangenen acht Jahren hat sich die Zahl der Autohändler in Deutschland halbiert - und dieser Trend wird sich weiter fortsetzen. Besonders betroffen sind kleinere inhabergeführte Autohäuser. Allerdings sind die Mittelständler nicht ganz unschuldig an ihrer Misere.

STUTTGART. Die Abwrackprämie wird das Sterben der Autohändler in Deutschland nicht aufhalten. „Die Vertriebsnetze sind überbesetzt, die Zahl der Insolvenzen wächst weiter“, warnte Autoexperte Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft an der Hochschule Nürtingen am Donnerstag anlässlich einer Studienpräsentation über die Branche. Die jüngsten spektakulären Pleiten seien erst der Auftakt. Autohändlern wie Hiro, Automag oder Aventi war in den vergangenen Monaten die Luft ausgegangen. Aber es erwischte auch große Händler wie die niederländische Kroymans.

Vor allem aber trifft die Branchenkrise traditionelle Autohäuser, die sich bei der Expansion verhoben haben. Wurden im Jahr 2000 noch zwei von drei Neuwagen in Autohäusern verkauft, ist es heute nur noch jedes vierte. Glaubt man der Studie, die Diez im Auftrag des Prüfunternehmens Dekra erstellt hat, dann wird es bis zum Jahr 2015 nur noch jedes sechste oder siebte Fahrzeug sein.

Die Zahl der Autohändler hat sich in den vergangenen acht Jahren auf 8 600 halbiert und wird laut Diez sich in den nächsten Jahren noch einmal um ein Viertel verringern. Das hat vor allem zwei Gründe: Massiv in den Markt drängen die Hersteller, die bereits ein Drittel der Fahrzeuge selbst in ihren Niederlassungen verkaufen. Die Tendenz ist steigend. Zu den Gewinnern des Strukturwandels zählt Clemens Klinke, Chef der Dekra Automobil GmbH, aber auch die großen Handelsgruppen, die in den vergangenen acht Jahren ihren Marktanteil auf 43 Prozent verdoppelt haben. Große Gruppen erhalten höhere Rabatte bei den Herstellern und schaffen eher den kostenintensiven Sprung zum Mehrmarkenanbieter.

Weltgrößter Autohändler ist die Salzburger Porsche-Holding. Die den Familien Porsche und Piëch gehörende Unternehmen verkauft jährlich 437 000 Fahrzeuge und besitzt die Generalimporteurrechte für alle VW-Marken in Österreich und einigen osteuropäischen Staaten. Das Salzburger Privatunternehmen wurde 1947 von den beiden Kindern Ferdinand Porsches, Louise Piëch und Ferry Porsche gegründet – ist heute eines der größten Unternehmen Österreichs.

In Deutschland ist das solvente Handelsunternehmen weniger bekannt. Zuletzt sorgte das Unternehmen aber für Aufsehen, als es dem ebenfalls im Besitz der beiden Familien befindlichen Sportwagenhersteller Porsche unter die Arme griff. Nur nach einer Garantie des Autohändlers gab Volkswagen Porsche einen Kredit über 700 Mio. Euro. Porsche hatte sich bei der Übernahme von VW verhoben. Gut möglich, dass der Familienclan, noch mehr Geld aus dem Autohandel zuschießen muss, um die bereits erreichte Mehrheit an Europas größten Autobauer abzusichern.

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