Kraftwerks-Sparte: Siemens droht zweite Schmiergeldaffäre

Kraftwerks-Sparte
Siemens droht zweite Schmiergeldaffäre

Die Schmiergeldaffäre in der Siemens-Kommunikationssparte Com hat sich zu einer Belastung für das gesamte Unternehmen ausgewachsen. Und nun kocht auch noch an anderer Stelle im Konzern ein angeblicher Bestechungsfall hoch.

HB FRANKFURT. Zwei ehemalige Manager der Siemens-Kraftwerksparte müssen sich in Kürze wegen angeblicher Bestechung von Mitarbeitern des italienischen Energiekonzerns Enel vor Gericht verantworten. Der Prozess wegen Untreue und Beihilfe zur Untreue beginne am 13. März, sagte die Sprecherin des Landgerichts Darmstadt am Montag und bestätigte damit einen Bericht der „Financial Times Deutschland“.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem einstigen Vorstandsmitglied des Siemens-Bereichs Power Generation und einem weiteren Ex-Beschäftigten vor, zwischen 1999 und 2002 an zwei Manager von Enel-Töchtern Schmiergelder in Millionenhöhe gezahlt zu haben. Mit den Zahlungen von rund 5,6 Mill. Euro und knapp 484 000 Dollar hätten die beiden Angeklagten an Aufträge für Gasturbinen und -Zubehör gelangen wollen. Das Auftragsvolumen für Siemens sei rund 338 Mill. Euro schwer gewesen.

Die Gelder stammten laut Anklage aus einer „schwarzen Kasse“ außerhalb der offiziellen Buchhaltung. Von dem Verfahren erhoffen sich die Ermittler auch Hinweise darauf, ob es bei Siemens ein System von Schmiergeldzahlungen gab, oder ob die aufgedeckten Vorkommnisse – zu denen auch die jüngst publik gewordenen Vorgänge bei der Sparte Com gehören – Einzelfälle waren.

Die Münchener Staatsanwaltschaft ermittelt seit November in der Kommunikationssparte: Mitarbeiter des Konzerns sollen über Jahre hinweg schwarze Kassen geführt und mit den Geldern potenzielle Auftraggeber bestochen haben. Siemens selbst untersucht zurzeit dubiose Zahlungen im Volumen von 420 Mill. Euro. Anders als im Com-Fall sind von den Beschuldigten aus der Kraftwerksparte bislang allerdings keine Aussagen bekannt, die der Konzernspitze eine mögliche Mitwisserschaft anlasten.

Das Gericht habe die Verfahrensbeteiligung von Siemens angeordnet, sagte die Darmstädter Justizsprecherin in dem dortigen Fall. Die Haftbefehle gegen die Angeklagten seien schon 2004 erlassen, aber sofort außer Vollzug gesetzt worden. Die Männer sind heute 73 und 63 Jahre alt.

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