Kraftwerksbau gestoppt
Eon erleidet Rückschlag bei Expansionsplänen

Ein Gericht in Chile kippt die ehrgeizigen Ausbaupläne von Eon. Der Energie-Riese und sein Partner dürfen ein Kohlekraftwerk vorerst nicht weiterbauen. Die milliardenschwere Investition liegt auf Eis.
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SantiagoEon-Chef Johannes Teyssen muss bei seinem Vorstoß in den neuen Märkten Südamerikas einen Rückschlag hinnehmen. Der größte deutsche Versorger kündigte am Mittwoch an, seine Strategie in Chile auf den Prüfstand zu stellen, nachdem das Oberste Gericht des Landes den Bau eines milliardenschweren Kohlekraftwerks vorerst gestoppt hat.

"Wir prüfen das Urteil und leiten daraus nächste Schritte ab", sagte eine Sprecherin. Eon und sein brasilianischer Partner MPX müssen nach dem Urteil vom Dienstag eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung für den Bau der Anlage und eines Hafens vorlegen. Gegen die Pläne in Castilla nahe der Stadt Totoral hatten Anwohner geklagt, denen die Umweltbelastung ein Dorn im Auge ist.

Das Gericht erklärte, das Projekt könne das von der Verfassung garantierte Recht auf ein Leben in einer Welt ohne Umweltverschmutzung verletzten. Die Konzerne hätten unzureichende Angaben über die beiden Anlagen gemacht. Umweltschutzgruppen haben gegen eine Reihe von Großprojekten in Chile Front gemacht. Der Fall in Castilla gilt als Lackmus-Test für den Erfolg weiterer Proteste.

Die Kosten für den Bau in Castilla sind auf umgerechnet rund vier Milliarden Euro geschätzt worden. Eon versuchte, den Rückschlag als fast normalen Vorgang darzustellen. "Dass Großprojekte dieser Art auf juristischen Widerstand stoßen, ist kein außergewöhnlicher Vorgang", sagte die Sprecherin. Chile bleibe ein interessanter Markt für den Konzern. Die Entscheidung habe auch keine Auswirkungen auf die Arbeit des Joint Ventures von Eon und MPX. Alle anderen Projekte würden wie geplant weiterentwickelt.

Die Pläne für den Bau der sechs Kohlekraftwerksblöcke mit einer Gesamtleistung von 2100 Megawatt stammen aus der Feder des brasilianischen Konzerns, der dem deutschstämmigen Milliardär Eike Batista gehört. Eon und MPX hatten im Frühjahr die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmen angekündigt, aus dem das größte private Energieunternehmen Brasiliens entstehen soll. Das Joint Venture hat Kraftwerksprojekte mit einer Leistung von 11.000 Megawatt in der Pipeline, darunter das Projekt in Castilla.

Eon will in neue Märkte mit großen Energiehunger vorstoßen, da die Margen im europäischen Strom- und Gasgeschäft sinken. Vorstandschef Teyssen plant auch einen Einstieg in der Türkei, während er den ebenfalls ins Visier genommenen Markt in Indien erst mal wieder zu den Akten gelegt hat.

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  • Zitat:
    ..Die Situation sei nicht mit dem Kohlekraftwerk im nordrhein-westfälischen Datteln vergleichbar...

    Ist denn sicher, dass Greenpeace ihren Bauern ( Datteln-Schlagwort: Bauer schlägt E.on!) nicht nach Chile exportiert hat?

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