Kraftwerkspanne in Krümmel
Sozialministerin angeblich schon früh informiert

Der Störfall im Vattenfall-Atomkraftwerk Krümmel sorgt weiter für Unruhe. Jetzt gerät die schleswig-holsteinische Sozialministerin Gitta Trauernicht unter Druck.

HB FRANKFURT. Trauernicht ist nach Medienberichten schon am Abend des Störfalls im Atomkraftwerk Krümmel am 28. Juni umfassend über das Ausmaß des Tansformator-Brands informiert gewesen. Betreiber Vattenfall habe der Ministerin auf mehreren Seiten per Fax einen detaillierten Ablauf über die Geschehnisse geliefert, berichteten das Nachrichtenmagazin „Focus“ und das „Flensburger Tageblatt“, denen das Dokument vorliege.

Auf einer Pressekonferenz am folgenden Tag habe die SPD-Politikerin aber nicht erwähnt, dass der Störfall ernster gewesen sei als bis dahin angenommen. Trauernicht habe erst mehrere Tage später von Auffälligkeiten gesprochen, wie der „Focus“ in einer Vorabmitteilung schreibt. Laut dem Fax-Bericht seien Pumpen ausgefallen, Ventile unplanmäßig geöffnet worden, und der Kühlwasserpegel sei abgesackt. Aus dem Vattenfall-Fax gehe die Dramatik der Vorgänge in Krümmel unmittelbar hervor, sagte auch der Greenpeace-Experte Heinz Smital dem „Flensburger Tageblatt“.

Ihr Schweigen habe Trauernicht später damit begründet, dass Vattenfall das Ministerium nicht umfassend informiert habe. Ministeriumssprecher Oliver Breuer bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur AP zwar den Eingang des Faxes. Bei den Informationen habe es sich aber lediglich um Stichworte gehandelt, die man nicht ohne umfassende Prüfung habe veröffentlichten dürfen. Außerdem sei aus den Informationen von Vattenfall keineswegs das Ausmaß abzulesen gewesen.

Dem widersprach der energiepolitische Sprecher der Kieler Grünen, Detlef Matthiessen: Von einer stichwortartigen Information könne nicht die Rede sein, sagte er dem „Flensburger Tageblatt“. Sogar das Eindringen des Rauches in die Leitwarte könne daraus abgelesen werden. „Dafür muss man nicht einmal Atomexperte sein“, sagte Matthiessen. Wenn Trauernicht Vattenfall vorwerfe, die Öffentlichkeit falsch informiert zu haben, treffe sie dieser Vorwurf selbst mindestens genauso.

Diesen Schluss wies Trauernichts Sprecher zurück: „Das ist schlicht absurd.“ Das Ministerium sei den Pflichten als Atomaufsichtsbehörde jederzeit nachgekommen. Dem „Focus“ sagte die Ministerin: „Wir haben umgehend alle gesicherten Erkenntnisse mitgeteilt.“

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