Kraftwerksreserve
Energiebranche wehrt sich gegen Abschalt-Verbot

Die Bundesregierung will Energieunternehmen zum Weiterbetrieb von unrentablen Kraftwerken zwingen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Versorger hoffen, dass sie das Horrorszenario noch abwenden können.
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DüsseldorfEs ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem Gesetz, dass massiv in die Rechte der Kraftwerksbetreiber eingreifen soll und den Strompreis verteuern könnte: Die Bundesregierung hat am Mittwoch im Kabinett beschlossen, dass die Energieversorger künftig dazu gezwungen werden sollen, ihre Kraftwerke laufen zu lassen, um Strom-Blackouts zu verhindern. Die Branche wehrt sich gegen den Eingriff und hofft weiterhin auf eine Lösung ohne verpflichtende Gesetze.

Die Gefahr von flächendeckenden Stromausfällen ist in den vergangenen Monaten durch das Abschalten vieler Atomkraftwerke stark gestiegen. In den kommenden Jahren dürfte sie noch zunehmen, wenn es immer weniger Kernkraft und immer mehr regenerative Energien gibt. Denn bei letzteren schwankt die Produktionsmenge des Stroms über den Tag viel stärker.

Gaskraftwerke sind besonders gut geeignet zum Ausgleich dieser Schwankungen, da sie schnell hochgefahren werden können. Allerdings wird sich der Betrieb vor allem von alten Gaskraftwerken für viele Versorger durch die Energiewende und den damit verbundenen reduzierten Betriebsstunden wahrscheinlich schon bald nicht mehr lohnen.

Zuletzt war Deutschland im Februar einem Blackout gefährlich nahe gekommen. Um eine solche Situation zu vermeiden, sucht die Bundesregierung bereits seit Monaten nach einer Lösung.

Die Regierung hatte den Versorgern Kompensationszahlungen für den Betrieb unrentabler Kraftwerke in Aussicht gestellt. Die Kosten von bis zu 287 Millionen Euro müsste der Verbraucher durch einen höheren Strompreis bezahlen.

„Es ist sehr bedauerlich, dass der Bundesregierung bei der Lösung von Problemen im Zusammenhang mit der Energiewende nur Zwangsmaßnahmen einfallen, während durchdachte, marktnahe Lösungen unbeachtet bleiben“, sagte Hildegard Müller. Die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), rät der Regierung, ihr Vorhaben noch einmal zu überdenken: „Noch ist in den vorgelegten Formulierungshilfen eine Tür offen, um im parlamentarischen Prozess doch noch für eine bessere Lösung zu sorgen.“

Der Energieversorger Eon ist optimistisch, dass es nicht zu dem von der Bundesregierung angedachten Gesetz kommen wird. Die Branche sei bereits seit langem in Verhandlungen mit der Bundesnetzagentur über Maßnahmen zur Sicherstellung der Energieversorgung. „Wir gehen davon aus, dass wir bald eine Lösung finden werden – ohne dass ein gesetzgeberisches Verfahren nötig ist“, sagte eine Unternehmenssprecherin zu Handelsblatt Online. Auch bei Eon ist man besorgt, dass sich der Betrieb von einigen Gaskraftwerken in Zukunft nicht mehr lohnen könnten. Akut stehe zwar noch keine Stilllegung von Gaskraftwerken an, allerdings sei die Wirtschaftlichkeit einiger Gaskraftwerke gefährdet.

Der Energieversorger Vattenfall hofft noch auf einen Schwenk der Politik. Das Unternehme respektiere „natürlich das Primat der Politik, kurzfristige Lösungen für die drohende Kapazitätslücke im nächsten Winter zu finden. Langfristig sollte das Problem aber über marktorientierte Mechanismen wie die Einführung einer strategischen Reserve gelöst werden“, hieß es in einer Stellungnahme.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Ja, zumal wir die konventionellen Kraftwerke sowieso behalten bzw erneuen müßen, reichen diese uns auch aus.
    Und solange wir diese behalten, können wir in Ruhe nach Alternativen suchen : z.B. Kernfusion, Speichermöglichkeiten u.s.w. ! Wir müßen nichts übers Knie brechen und dabei den Ruin unserer Energiewirtschaft befürchten und eine Inflationsspirale in Gang setzen !Dilettantismus kann man sich in der Energiewirtschaft einfach nicht leisten, dass muß sogar eine "Physikerin" aus dem Ossi-Land verstehen !

  • >>wie die Ossis im Winter jeden Tag 3h im Dunklen sassen und die Wessies drüber gelacht haben.<< Nöö das war nicht so. Nur einmal im kalten Winter 1979/1980.

    Jedoch litt die DDR immer an Energiemangel (auch wenn der Privatkunde nur wenig davon mitbekam) Man sagte: Im Westen gibt (gab?) es das "verbrauchsorientierte Angebot" und in der DDR den "angebotsorientierten Verbrauch". Industriebetriebe mußten den Energieverbrauch zeitnah angeben und genehmigen lassen. Reichte die Energie nicht, mußte die Produktion gedrosselt werden.

    Außerdem wurde ab 1979 die Straßenbeleuchtung immer mehr reduziert - auch in öffentlichen Gebäuden war bald jede zweite Neonröhre lockergedreht.

    Am Westen haben mich zunächst die nachts hell erleuchteten Städte und die durchgängigen Leuchtbänder im Kaufhaus fasziniert...

    Mittlerweile werden Städte wie z.B. Berlin wieder dunkel.

    Weg mit der "Energiewende". Nie wieder Dunkeldeutschland!!!!

  • Hallo Sebastian...Falls Sie abseits der Revolutionsromantik einen Blick in die Eigentumsverhätnisse werfen so sind die Versorger bereits heute weitgehend staatlich.

    ENBW ist nahezu 100% Staatseigentum, Vattenfall gehört dem Schwedischen Staat, Tennet dem Niederländischen Staat. Im Sinne der internatonalen Arbeitersolidartät sollte dies zählen. Bei RWE haben die Ruhrkommunenen einen wesentlichen Anteil.

    Vandale

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