Kraftwerkssparte Siemens: Zahl zum Stellenabbau ist noch nicht fix

Trotz eines millionenschweren Auftrags aus Libyen hält Siemens an dem umstrittenen Stellenabbau in seiner Kraftwerkssparte fest. Nur bei der Zahl der betroffenen Jobs lässt Personalchefin Kugel noch Spielraum erkennen.
Update: 11.12.2017 - 13:31 Uhr 2 Kommentare

Trotz 700-Millionen-Auftrag für Siemens: Kaeser bleibt bei Stellenabbau

Trotz 700-Millionen-Auftrag für Siemens: Kaeser bleibt bei Stellenabbau

BerlinAuch ein Großauftrag über rund 700 Millionen Euro bringt Siemens nicht von seinen umstrittenen Stellenkürzungsplänen in der Turbinen-Sparte ab. Der Auftrag aus Libyen ändere nichts am geplanten Abbau von weltweit rund 6900 Stellen, betonte Vorstandschef Joe Kaeser am Montag. Siemens-Arbeitsdirektorin Janina Kugel sprach mit Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries und Vertretern der betroffenen Länder über die Konzernpläne. Konkrete Ergebnisse des Gesprächs gab es keine, wie Zypries danach sagte. Beide Seiten wollen aber im Gespräch bleiben und erneut zusammentreffen. Kugel deutete an, es könnte noch Änderungen an den Abbauzahlen geben.

Vor dem Treffen der Siemens-Vertreter mit der Politik im Bundeswirtschaftsministerium protestierten nach Angaben der IG Metall davor rund 200 Siemens-Beschäftigte gegen die geplanten Einschnitte. Klaus Abel, Der Erste Bevollmächtigte der Berliner IG Metall, zeigte sich zufrieden, dass nun auch die Politik mitrede. Allein das sei schon ein Erfolg, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. „Ich erwarte, dass es noch Änderungen an den Konzernplänen gibt“, ergänzte er.

Signale dafür gebe es etliche, nicht zuletzt die Bereitschaft des Konzerns, „in ergebnisoffene“ Gespräche mit den Arbeitnehmern einzutreten. „Wir sind aber auch in der Lage, wenn es nicht so kommt, die Proteste noch zu verstärken", drohte er. Die Siemens-Beschäftigten seien im Grundsatz „arbeitskampffähig“. Siemens hatte seine Umbau-Pläne mit der infolge der Energiewende drastisch gesunkene Kraftwerks-Nachfrage begründet.

Bundesministerin Zypries nannte die erste Gesprächsrunde von Unternehmen und Politik in Berlin sehr gut. „Wir sind uns einig geworden, dass wir ein weiteres Treffen anstreben“, sagte sie. Sobald es „konsolidierte Ergebnisse zwischen Vorstand und Betriebsrat“ gebe, wolle man wieder zusammenkommen. Dann wolle man ausloten, inwiefern Bund und Bundesländern bei dem Umbau helfen können. Geholfen werden könnte beispielsweise bei der Weiterqualifizierung betroffener Mitarbeiter. Wie viele Jobs am Ende bei Siemens verloren gehen werden, wisse sie noch nicht, sagte die Ministerin.

Siemens-Arbeitsdirektorin Kugel deutete an, dass es an den genannten Zahlen noch Änderungen geben könne. Bei den bisher angekündigten Zahlen handle es sich um „Planungsstände“, sagte sie. Diese würden nun mit den Vertretern der Arbeitnehmer diskutiert. „Und danach werden wir erst wissen, wie viele Mitarbeiter betrifft das denn"“ ergänzte sie.

In Libyen soll der Münchner Industriekonzern für den staatlichen Versorger Gecol zwei Gaskraftwerke mit einer Leistung von zusammen 1,3 Gigawatt (GW) bauen, um die wacklige Stromversorgung in dem nordafrikanischen Land zu verbessern. Der Auftrag aus Libyen sei wichtig für die Auslastung und Teil der Planung, erklärte Kaeser. Als Anzeichen für eine Erholung des Marktes sieht er ihn hingegen nicht. Der Auftrag ändere nichts an der grundsätzlich „drastisch gesunkenen Nachfrage im Markt für fossile Stromerzeugung“, so der Siemens-Chef.

Siemens ist seit den 1950er Jahren in Libyen vertreten. Rund 30 Prozent des Stroms dort werde mit Siemens-Technik erzeugt, sagte Sparten-Chef Willi Meixner. Damit würden zwei Millionen Menschen mit Energie versorgt. Das Land wird aber von häufigen, plötzlichen Stromausfällen geplagt. Die neuen Kraftwerke sollen helfen, das Problem zu lösen.

Es ist der erste Auftrag für den Konzern nach den Unruhen im Jahr 2011. In Misrata soll ein Kraftwerk mit zwei Siemens-Gasturbinen und einer Leistung von 650 Megawatt (MW) entstehen, in Tripolis ein Kraftwerk mit vier Gasturbinen und 690 MW Leistung. Teil des Auftrags ist eine langfristige Service-Vereinbarung mit Siemens.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • dpa
  • rtr
Startseite

Mehr zu: Kraftwerkssparte - Siemens: Zahl zum Stellenabbau ist noch nicht fix

2 Kommentare zu "Kraftwerkssparte: Siemens: Zahl zum Stellenabbau ist noch nicht fix"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich hätte da eine Vorschlag, wo Siemens die Arbeiter stattdessen einsetzen könnten: Die Qualitätskontrolle von Siemens scheint mir nämlich arg unterbesetzt zu sein, wie auch die Panne bei der Einweihung der neuen ICE-Strecke München-Berlin mal wieder zeigt...

  • In den zurückliegenden Jahren hat die Firma Siemens mehrere
    Milliarden EURO und DM
    von Deutschland bzw. dessen Steuerzahler an Subventionen erhalten.
    Als Danke werden zuerst in Deutschland Arbeitsplätze gestrichen.
    Wichtiger ist, daß die Parteienspenden nicht ausbleiben.

    Ach ja, ....... wir haben verstanden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%