Krankenhäuser müssen sparen
Reform überschattet Medica

Medizintechnik aus Deutschland ist in der ganzen Welt gefragt. Doch während das Geschäft mit Medtech made in Germany im Ausland floriert, verläuft das Geschäft der Hersteller im Inland eher schleppend. An der Investitionszurückhaltung wird auch der Gesundheitskompromiss nichts ändern.

FRANKFURT. Enttäuschung über den Gesundheitskompromiss dürfte in diesem Jahr die Düsseldorfer Medizintechnik-Messe Medica dominieren. „Angesichts eines Investitionsstaus in Arztpraxen und Krankenhäusern von bis zu 30 Mrd. Euro muss eine substanzielle politische Lösung gefunden werden“, sagt Sven Behrens, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Spectaris. Doch wegen der geplanten Budgetsenkung für Krankenhäuser und der aus Sicht der Industrie halbherzigen Lösungsansätze für die Finanzierung der gesetzlichen Krankenkasse geht Behrens davon aus, dass die Investitionszurückhaltung anhält.

Medizintechnik aus Deutschland ist in der ganzen Welt gefragt. Nicht nur große Hersteller wie Siemens, Fresenius oder auch Dräger Medical tätigen einen Großteil ihrer Abschlüsse im Ausland, auch kleinere Firmen wie der Orthopädie-Spezialist Otto Bock oder Instrumentenmacher wie Karl Storz und Aesculap sind bereits seit Jahren internationalisiert.

Während das Geschäft mit Medtech made in Germany im Ausland floriert, verläuft das Geschäft der Hersteller im Inland schleppend. Spectaris rechnet in diesem Jahr im Auslandsgeschäft mit einem Zuwachs von elf Prozent auf 16,3 Mrd. Euro. In Deutschland – nach den USA und Japan immerhin der drittgrößte Abnehmer für Medizintechnik – rechnet der Verband dagegen nach zwei stagnierenden Jahren mit einem Zuwachs von gerade einmal drei Prozent auf 5,7 Mrd. Euro.

Dabei wäre der Bedarf für Neuanschaffungen riesig. Seit der Einführung des Fallpauschalensystems, bei der sich die Vergütung von Klinikleistungen nach Krankheitsbildern statt nach der Zahl der Behandlungstage richtet, sind viele Krankenhäuser auf neue Geräte und Software-Systeme angewiesen, die effizientere Abläufe ermöglichen. „Jeder Tag, um den sich die Behandlungsdauer verkürzt,bringt den Krankenhäusern bares Geld ein“, sagt Gerhard Becker, der mit seiner Firma Antegrad unter anderem Managementprojekte für die Berliner Charité übernommen hat.

Für die meisten Entwicklungsabteilungen der Medizintechnikhersteller hat die Optimierung der Arbeitsabläufe im Krankenhaus oberste Priorität. Daher könnte sich manche Neuanschaffung für die Krankenhäuser rasch rechnen. Doch der Gesetzentwurf für die Gesundheitsreform, den der Bundestag morgen in erster Lesung behandelt, wird die Investitionslust nach Einschätzung der Branche kaum heben können.

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