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13.05.2008 
Kunststoffmaschinen-Hersteller

Krauss Maffei folgt den Ingenieuren

von Joachim Hofer

Der Kunststoffmaschinen-Hersteller Krauss Maffei rechnet für die nächsten Jahre mit einem kräftigen Wachstum. Am Stammsitz in München fehlen dem Traditionsunternehmen aber die Ingenieure, um die vielen zusätzlichen Aufträge abzuarbeiten. Der Mangel an Spezialisten treibt den Münchener Hersteller von Kunststoffmaschinen ins Ausland.

MÜNCHEN. Deshalb baut der Konzern jetzt in der Slowakei ein neues Konstruktionszentrum auf und stellt dafür in den nächsten zwei Jahren 80 Ingenieure ein

"Wir haben in München große Schwierigkeiten, Ingenieursnachwuchs zu bekommen", sagte Vorstandschef Dietmar Straub im Gespräch mit dem Handelsblatt. Aus diesem Grund investiert der weltweit größte Plastikmaschinen-Anbieter nun in der slowakischen Universitätsstadt Zilina. Dort kooperiert der Konzern mit dem lokalen Institut für Maschinenbau.

Krauss Maffei kann die neuen Mitarbeiter gut gebrauchen, denn das Unternehmen ist auf einem strammen Expansionskurs. Im letzten Geschäftsjahr (30.9.) kletterte der Auftragseingang um mehr als acht Prozent auf knapp 1,1 Mrd. Euro. In der ersten Hälfte des neuen Geschäftsjahrs habe sich dieser Trend ungebrochen fortgesetzt, unterstrich Straub: "Auftragseingang, Umsatz und Ergebnis haben sich positiv entwickelt." Details nannte der Manager allerdings nicht. Zuletzt lagen die Erlöse bei 950 Mill. Euro, ein Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) erreichte 71 Mill. Euro, 41 Prozent mehr als zuvor.

Das Unternehmen wird unter Investmentbankern als einer der heißen Kandidaten für einen Börsengang gehandelt, sollte sich die Lage an den Kapitalmärkten wieder aufhellen. Firmenchef Straub wollte sich zu einer möglichen Emission aber nicht äußern. Eigentümer ist der Finanzinvestor Madison Capital Partners.

Krauss Maffei hat eine bewegte Vergangenheit: Bis ins Jahr 2000 gehörte die Firma dem Mischkonzern Mannesmann. Nach der Übernahme der Düsseldorfer durch den englischen Mobilfunkriesen Vodafone ging sie an Siemens. Die Münchener wiederum reichten den Maschinenbauer 2002 weiter an das amerikanische Privat-Equity-Haus KKR. Vier Jahre später stieg dann der heutige Besitzer Madison ein. Lange firmierte die Firma unter der Marke Mannesmann Plastics Machinery.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Wurzeln des Unternehmens.

Den traditionsreichen Namen Krauss Maffei nutzen neben dem Maschinenbauer heute noch zwei andere Firmen: die Lokomotivenherstellung von Siemens sowie der Wehrtechnikanbieter Krauss Wegmann. -Maffei Die drei Firmen arbeiten im Norden von München in unmittelbarer Nachbarschaft. Mit Siemens teilt sich Krauss Maffei nicht nur die Kantine, sondern auch einige Werkhallen. Zudem arbeiten die Unternehmen in der Ausbildung der Lehrlinge zusammen.

Die gemeinsamen Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 1838, als die Lokomotivfabrik J.A. Maffei in München gegründet wurde. 1931 ging Maffei mit der Firma Krauss & Comp. zusammen. In den 50er Jahren stieg der Konzern dann ins Geschäft mit Kunststoffmaschinen ein.

Krauss Maffei sieht sich heute weltweit als größter Anbieter von Plastikmaschinen. Mit einigem Abstand folgen Japan Steel Works sowie die kanadische Husky. Wichtigster europäischer Wettbewerber ist das österreichische Familienunternehmen Engel. Der Markt wächst jedes Jahr um vier bis fünf Prozent, wobei Krauss Maffei laut Straub stets stärker zulegen möchte. Das Geschäft wird einerseits getrieben durch den steigenden Wohlstand in Schwellenländern. In China und Indien nutzen die Menschen jetzt zunehmend Plastik im täglichen Leben. Darüber hinaus werden Kunststoffe immer öfter eingesetzt, um das Gewicht zu drücken, zum Beispiel in Autos. Um die dafür nötigen Bauteile zu fertigen, brauchen die Anbieter neue Maschinen, wie sie Krauss Maffei produziert.

Auch im wirtschaftlich florierenden Osteuropa steigen die Umsätze kräftig. "Die letzten Jahre sind wir dort um jeweils mehr als 15 Prozent gewachsen", so Straub. Mit dem neuen Entwicklungszentrum in der Slowakei rücke Krauss Maffei jetzt näher an die Kunden in der Region heran.

Und noch ein Vorteil hat der Standort: Die Löhne sind wesentlich niedriger als am Stammsitz in München - und werden es auf absehbare Zeit auch bleiben. Schon heute fertigt Krauss Maffei mit mehr als 100 Leuten Schaltschränke in Martin, einem Ort in der Nähe der neuen Niederlassung.

Ein Jobabbau in der Heimat steht dennoch nicht zur Diskussion: Von den derzeit rund 4 000 Mitarbeitern arbeiten die meisten in Deutschland und bei der Tochter Netstal in der Schweiz.

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