Krebsmedikamente halten den Konzern auf Wachstumskurs
Roche bekräftigt Pläne für Genentech

Der Pharmakonzern Roche hat seine Pläne zur Komplett-Übernahme des amerikanischen Biotechunternehmens Genentech gestern bekräftigt. Er sei unverändert entschlossen, einen Deal mit Genentech auszuhandeln, sagte Firmenchef Severin Schwan.

FRANKFURT. Der Baseler Pharmariese ist damit indirekt Spekulationen entgegengetreten, diese derzeit größte Transaktion könnte an der schwierigen Situation auf den Finanzmärkten noch scheitern. Roche hält bereits 56 Prozent der Genentechanteile und hat Ende Juli eine Offerte zum Kauf der restlichen Anteile zum Preis von insgesamt 43,7 Mrd. Dollar oder 89 Dollar je Genentech-Aktie angekündigt. Dieses Angebot haben die unabhängigen Vertretern im Genentech-Verwaltungsrat als zu niedrig abgelehnt.

In den letzten Wochen waren Zweifel aufgekommen, ob Roche angesichts der Kreditklemme im Bankensektor die Finanzierung für den Deal überhaupt stemmen kann. Der Aktienkurs von Genentech war vor diesem Hintergrund vorübergehend auf deutlich unter 80 Dollar gesunken, hat sich inzwischen aber wieder etwas erholt. Während Roche-Aktien gestern unter Druck gerieten, legten Papiere von Genentech im frühen New Yorker Handel um zwei Prozent auf 86 Dollar zu: ein Indiz, dass der Glaube an den Deal wieder zurückkehrt.

Auf Basis des bisherigen Angebotspreises wird Roche für die Genentech-Übernahme Kredite von mehr als 30 Mrd. Dollar benötigen. Viele Analysten gehen allerdings davon aus, dass der Konzern eine Einigung mit dem Genentech-Management nur bei einem Preis von mehr als 100 Dollar je Aktie erzielen wird. Der Kaufpreis würde sich dadurch auf mindestens 50 Mrd. Dollar erhöhen und dementsprechend auch der Finanzierungsbedarf von Roche. Der Pharmakonzern hat zur Jahresmitte knapp 16 Mrd. Franken (13,5 Mrd. Dollar) liquide Mittel und eine Netto-Cash-Position von etwa zehn Mrd. Franken ausgewiesen.

Das operative Geschäft von Roche läuft unterdessen weiterhin solide. Der Konzernumsatz ging in den ersten neun Monaten zwar um zwei Prozent auf 33,3 Mrd. Franken zurück, bereinigt um Währungseffekte errechnet sich jedoch ein Umsatzplus von sechs Prozent - wobei sich das Wachstum im dritten Quartal mit neun Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr sogar noch beschleunigt hat.

Gebremst wird der Konzern jedoch von stark sinkenden Erlösen beim Grippe-Medikament Tamiflu, das im Vorjahr noch von umfangreichen staatlichen Bestellungen für die Pandemievorsorge profitierte. Rechnet man den Tamiflu-Effekt heraus, ergibt sich nach Angaben von Roche ein Umsatzwachstum von zehn Prozent. Für das Gesamtjahr stellt der Konzern unverändert ein hohes einstelliges Wachstum (ohne Tamiflu) und ein bereinigtes Ergebnis mindestens auf Vorjahresniveau in Aussicht. Roche dürfte damit ähnlich wie in den Vorjahren auf einen freien Cashflow von mehr als sechs Mrd. Franken zusteuern.

Auftrieb erhält der Konzern weiterhin von seinen Krebsmedikamenten Rituxan, Avastin und Herceptin, die alle zweistellig zulegten. Auch die Diagnostik-Sparte entwickelte sich mit einem Umsatzplus von elf Prozent relativ stark. Vier Prozentpunkte hat dazu allerdings die im Februar erworbene US-Firma Ventana beigetragen, mit der Roche seine Position im Bereich der Gewebediagnostik verstärkte.

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